04. Die Revolution in der Dauphiné

Für die in der Dauphiné ansässigen Protestanten sowie die übrigen französischen Protestanten war es ein grosses Glück, als sie am 26. August 1789 die Religionsfreiheit erhielten(1), am 24. Dezember den Zugang zu sämtlichen Berufen und schliesslich das Recht der freien Religionsausübung mit der Konstitution von 1791.

Die einzige protestantische Kirche, die überlebt hat, ist die Kirche von Poet-Laval. Der erste Wiederaufbau einer Kirche findet 1792 in Chatillon-enDiois(2) statt.

Manche Reformierte lassen sieh ehemalige katholische Kirchen übereignen oder wählen die Lösung des „Simultaneum“, wie z.B. in Chateaudouble, wo Katholiken und Protestanten nacheinander im gleichen Gebäude(3) den Gottesdienst feiern. Andere wiederum treffen sich in Privathäusern oder bleiben bei dem Gottesdienst im Familienkreis.

Die Protestanten des Dauphiné sind begeisterte Anhänger der Revolution.

Die Zahl der Pfarrer ist nicht mehr sehr gross (18, wo es 1685 65 waren), sie sind oft alt und theologisch schlecht ausgebildet.

Alle lassen sich auf die Revolution vereidigen und nehmen an dem Leben der Gemeinde teil. Viele werden Bürgermeister(4), Gemeindesekretäre – oder Mitglieder eines Clubs oder einer der so beliebten Gesellschaften(5).

In vielen Gemeinden sind die Gläubigen für die politischen, ökonomischen und sozialen Aktivitäten, wie z.B. im Haut-Diois, verantwortlich. Im Haut-Diois, in Beaurières, Bouvières und La Motte-Chalancon nehmen sie an der Verwüstung von Schlössern teil, im Drometal schliesslich ergreifen sie eindeutig Partei für die Sansculotten und die Jakobiner.

Die Schreckensherrschaft erstreckt sich in Frankreich auf 10 Monate, von September 1793 bis Juli 1794. Im Dauphiné dauert sie nur 2 oder 3 Monate (Frühjahr 94) und in dem protestantischen Gebiet kommt es kaum zu einer Entchristianisierung. Von den 16 Pfarrern, die die Revolution überstanden hatten, übten neun ihr Amt weiter aus, gleichzeitig mit dem des Bürgermeisters oder Friedensrichters. Fünf „suspendieren“ ihr geistliches Amt, bleiben aber auch Friedensrichter oder Lehrer. Alle nehmen einige Jahre später wieder Pfarrstellen an(6).

Die Reformierten versammeln sich stets am Sonntag, für sie gilt der Revolutionskalender nicht – und wenn die Kirche, geschlossen war, so treten sie wieder den Weg „in die Wüste“ an. Im Jahre 11 (1793) erfreuen sich in der Drome Gesellschaften und Vereine einer wachsenden Beliebtheit. Sie werden häufig von einem patriotischen Protestanten geleitet(7).

Der berühmteste Protestant der Dauphiné zu jener Zeit war zweifellos Antoine Barnave (1761-1793). Seine Erziehung war durch den Einfluss und die Überzeugungen seiner lutherischen Mutter, die aus der Gegend von Montbéliard stammte, geprägt. Dieser brillante Anwalt aus Grenoble wurde einer der besten Redner der Generalstände, der Konstituante und verschiedener Clubs. Zur Zeit der Schreckensherrschaft wurde er festgenommen, verurteilt und hingerichtet, weil er dazu geraten hatte, die königlichen Machtbefugnisse nicht anzutasten.

Anmerkungen

  1. Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte
  2. Die Kirche von Chatillon-en-Diois
  3. Bittschrift der Protestanten aus Chateaudouble
  4. Abraham Chiron, Pfarrer und Bürgermeister aus Bourg-les-Valence, Autor eines 1798 in Valence veröffentlichten Katechismus „Neues Formular, um die Konfirmanden beim heiligen Abendmahl zu empfangen“, eine der seltenen protestantischen Veröffentlichungen während der Revolution.
  5. Abraham Daniel Chuard, geboren im Kanton Wallis, Pfarrer in Chateaudouble. Er wurde für einen Patrioten gehalten, war Mitglied des Wohlfahrtsausschusses des Departements und Präsident des Jakobinerclubs in Valence. Er forderte die Wiedereröffnung der evangelischen und katholischen Kirchen, wurde als Störenfried angeprangert und kehrte aus diesem Grund in die Schweiz zurück, wo er weiter sein Amt ausübte.
  6. Pierre Lombard-Lachaux, 1772 Pfarrei- in Nyons, 1786 Pfarrer in Orleans. 1792 wurde er dort Bürgermeister und im gleichen Jahr Abgeordneter des Konvents. Kommissar während des Direktoriums. Von 1803 bis zu seinem Tod 1807 war er Pfarrer in Crest.
  7. Viele Protestanten waren Mitglieder der Gesellschaften und Vereine in der Drome.