2003/27 – Eine tragische Situation im Leben des Fritz Dörscheln

Der Landbote – NF – Band 1 – 5.Jahrgang 2003 – Heft Nr.27


Von E. W. Dörscheln – Univ. Ob. Präparator i. R.

Fritz Dörscheln wurde als 2. Kind der Eheleute Fr. Wilh. und Emma Dörscheln am 28.10.1904 auf dem Dornwerth in Eveking b. Werdohl i. Westf. geboren. Ab 1910 lebte er mit seinen Eltern im „Haus Dörscheln“ am Drescheiderhagen im Kr. Altena/Westf.

Es ist anzunehmen, dass er in frühester Kindheit an einer Gehirnhautentzündung (Meningitis) gelitten haben muß, woraus eine entsprechende Behinderung resultierte. Deshalb war er auch später als Packer bei der Fa. Enders im Rahmedetal Kr. Altena beschäftigt. In seiner freien Zeit hat er sich oft im elterlichen Garten betätigt. Weiterhin hat er die Ziegen seines Vaters gehütet. Er war ein stiller und friedliebender Mensch. Trotzdem wurde er mit seinem Bruder August, der sich im Privatleben als LKW-Fahrer betätigt hatte, zum Kriegsdienst im Grenzbereich an der Heimatfront eingezogen. Die Tauglichkeitserklärung eines Stabsarztes hatte dazu beigetragen, dass er eingesetzt werden konnte.

Der Einsatz erfolgte kurz vor Kriegsschluß im Herbst des Jahres 1944, und zwar vermutlich in den Belgischen Wäldern der Ardennen oder schon im zurückweichenden Frontabschnitt unweit Aachen an der deutschen Grenze.
Bei einem Angriff der Alliierten, Amerikaner wie auch Engländer, gegen die deutschen Stellungen war die Lage für die vorgerückte Heeresgruppe der deutschen Soldaten mit Fritz und August Dörscheln aussichtslos. Dieses wurde auch durch einen Spähtrupp, der zum Einsatz kam, bestätigt. Um eine Umzingelung durch die alliierten Soldaten zu vermeiden, wurde ein Rückzug angeordnet, und zwar auch um die Front dadurch zu verkürzen. Bei diesem Manöver blieb, bis heute ungeklärt, Fritz Dörscheln im Frontgelände stehen. Er weigerte sich, mit den anderen Kameraden weiter zurückzugehen.

Auf diese Art und Weise wurde er von den heranrückenden alliierten Soldaten gefangen genommen, abgeführt und in ein englisches Kriegs-Gefangenen-Lager gebracht.

In diesem englischen Kriegs-Gefangenenlager am Wickrathberg unweit des AB Kreuzes Wanloh bei Wickrath südlich Mönchen-Gladbach lebte er eine Zeit lang. Nach späterer Auskunft der Lagerleitung an seine Eltern, war er vor Hunger, Krankheit und Entbehrung derart geschwächt, dass er daran am Donnerstag, dem 14.06.1945 starb. Seine Beerdigung fand am Sonnabend, dem 16.06.1945 um 14.00 Uhr auf dem Friedhof in Wanloh statt, der später in einen Soldatenfriedhof umgewandelt wurde.

Die Angaben sind aus dem Fam.-Stammbuch in Form eines Schreibens des Standesamtes und der Sterbebescheinigung sowie der Bibel der Eheleute Fr. Wilhelm und Emma Dörscheln entnommen. Weiterhin existieren diverse Familien-Fotos von Fritz Dörscheln und dessen Grabstätte.



Soldatenfriedhof 1945


Bibel Seite IV


Stammbuch


Sterbefälle

Gedanken in die Vergangenheit

Die Stille fällt auf, wenn sie unterbrochen wird
Ich bin alleine im Raum, um nichts zu tun.
Es ist aufregend nichts zu hören und fühle hier
Wie extrem ist doch die Stille um mich herum.

Wann fällt´s mir ein, wer irgendwann im Leben
Ganz Bestimmtes sagte vor ganz langer Zeit;
War es damals nicht allzu wichtig gewesen
Entschwand es deshalb im Datennetz so weit?

Jetzt brauche ich´s dringend aus dem Gedankenfluss
Ein Hinweis, den zu holen ist bestimmt nicht leicht.
Ich muß an etwas denken, da bin ich mir bewusst
Ein Wort oder Bild, das die Vergangenheit erreicht.

Dann sehe ich alsbald wer da mit mir gesprochen
Hat seine Geschichte in Worte und Sätze gefasst;
Nun höre ich’s wie damals, ich habe es getroffen
Was sich vor so langer Zeit zugetragen hat.

Vergessen oder verloren und im Zeitenstrom
Nur erinnern, die Geschichte wird richtig gestellt;
Noch ist vieles zu retten, es galt nur als verlor`n,
Was damals alles geschah in dieser früheren Welt.

Ernst Wilh. Dörscheln
2/03