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01. Von Biele­feld nach Tel Aviv

Sam­stag, 22. März 1980. Wir fliegen von Han­nover, über Frank­furt nach Tel-Aviv – Jaf­fa. Der Tag ver­lief ziem­lich anstren­gend. Es ist kalt. Auf dem Weg zum Bahn­hof Biele­feld ist Schnee­treiben.

Unser Zug nach Han­nover fährt um 13.46 Uhr. Wir frieren. Eigentlich woll­ten wir San­dalen tra­gen. Wir haben uns doch für Schuhe entsch­ieden. Jed­er hat einen Ruck­sack und eine Tasche, d.h. Wolf­gang hat einen Ruck­sack, eine Tasche nur für Foto­sachen, wo wir nach dem Flug alle anderen Sachen, die über­flüs­sig sind, ein­pack­en wollen.

Um 15.30 Uhr sind wir in Han­nover. Zwis­chen­durch hat es geschneit. Ein Bus bringt uns zum Flughafen. Um 18.40 Uhr geht unser Flug nach Frank­furt. Wir haben Zeit, fra­gen an der Infor­ma­tion, wann wir das Gepäck abgeben kön­nen und essen erst­mal.

Das erste Mal in der Luft! Wolf­gang sagt: Denk daran, dass wir schon 49mal geflo­gen sind. Und es macht mir wirk­lich nichts aus. Lei­der ist es schon dunkel und wir bekom­men nur noch den Rest des Son­nenun­ter­gangs mit und sehen unter uns riesige weiße Wolken­felder wie Wat­te­bäusche.

Ankun­ft in Frank­furt 19.30 Uhr. In Frank­furt schickt man uns statt nach A nach B. Wir kamen uns schön blöd vor, als wir den ganzen Weg wieder zurück­mussten, nochmal Taschenkon­trolle, nochmal abfühlen. Na ja, alles zu unser­er Sicher­heit! Aber wir fan­den den Abflug­platz der EL AL. Nach wirk­lich inten­siv­er (israelis­ch­er) Kon­trolle bestiegen wir eine halbe Stunde eher das Flugzeug als vorge­se­hen.

Abflug Frank­furt 20.55 Uhr – 4,5 Std. Flugzeit – Ankun­ft in Tel Aviv ‑Jaf­fa 2,35 Uhr (inklu­siv eine Std. vorgestellt).

Wir waren in Tel-Aviv-Jaf­fa, aber es war mit­ten in der Nacht. Wohin? An der Infor­ma­tion bemühte sich die Dame, noch die Jugend­her­berge zu erre­ichen, aber es war nicht möglich. So hat­ten wir die Wahl in einem Hotel „Riv­iera“ ein Zim­mer für 15 oder 25 Dol­lar zu bekom­men.

Die Taxi­chauf­feure sind sehr geschäfts­freudi­ge Vertreter. Für 10 DM von jedem hat er uns und noch eine 3‑köpfiger Fam­i­lie zu dem besagten Hotel gefahren. Na ja, bess­er schlecht geschlafen als gar nicht. Aber es war eine fürchter­liche Nacht. Schon die krampfhafte Hal­tung im Flugzeug hat­te mich fer­tig gemacht, und jet­zt noch das. Durch einen fürchter­lichen Krach wurde ich wieder wach, nach­dem ich ger­ade müh­sam eingeschlafen war. Entwed­er war ein­er mit dem Bett zusam­mengekracht oder ein­er lag jet­zt davor. Dann ein Rumoren und Geklap­per – ich sah mich den Rest der Nacht ohne Schlaf.

Als es kurz nach 8.00 Uhr war, sind wir aufge­s­tanden. Nach einem einiger­maßen guten Früh­stück (mit Oliv­en, Tomat­en und hart­gekocht­en Eiern) gings in Rich­tung Strand. Das Wet­ter war her­rlich, nur am Strand war´s nicht so. So viele Gegen­sätze wie in Israel in der kurzen Zeit, sind mir noch nicht begeg­net: Alt und neu, aufge­baut und Ruinen, Eile und Gemäch­lichkeit. Manch­mal weiß ich nicht, wie ich mich ver­hal­ten soll. Aber ich genieße die Ruhe. Take it easy hört man viel, immer langsam, Und es bekommt uns gut. [003]

Nach­dem wir unsere „Hand­taschen“ auf dem Ben-Guri­on-Flughafen abgegeben haben und uns von einem kle­beri­gen Tax­i­fahrer regel­recht befre­it haben, sind wir gelaufen. Da hält ein EL AL Auto und ein Mann steigt aus. Wolf­gang fotografiert ger­ade ein paar Blu­men am Wege. Was er da macht, will der Mann wis­sen. Ob wir deutsch sprechen, ob wir uns eingecremt hät­ten, beson­ders das Gesicht und ob wir keine Hüte hät­ten. Als er im Gespräch erfährt, dass wir zur Jugend­her­berge nach Tel Aviv wollen, um unsere Vouch­ers einzulösen, sagt er, wir sollen mitkom­men. Das Haus war ein EL AL Office und der fre­undliche Herr führte einige Tele­fonge­spräche, ein 2. und ein 3. Herr kamen hinzu, da ein­er wusste, wo die Bney Dan Street war und welchen Bus wir benutzen mussten. Damit wir nicht noch weit­er­liefen, brachte uns ein ander­er Herr zum Flug­platz zur EL AL Bussta­tion. (Unsere Rück­flugtick­ets hat­ten wir übri­gens auf dem Flughafen im EL AL Büro gle­ich bestäti­gen lassen). [004–025]

Mit dem EL AL Bus fuhren wir zum Ter­mi­nal, dort fragten wir einen Bus­fahrer, wo Nr.5 oder Nr. 25 fährt. Aber er fragte, nicht welche Nr. son­dern: wohin wollt ihr, dann sage ich euch die Num­mer. Also fahrt mit dem 237, 29 oder…oder…dort drüben seht ihr doch den roten Bus, da ist die Sta­tion, dann fahrt ihr 3 Sta­tio­nen bis zu Juda Hamakkabi Str., dann links und dann … Na, wir also zur Bussta­tion, alle Nr. 27 die kamen, waren voll und wir macht­en „take ist easy“ und set­zten uns ins Gras. Wolf­gang fotografierte und ich beobachtete die Leute. Nach ein­er Weile kamen wir uns ver­arscht vor, genau wie heute Mor­gen, als wir den Bus zum Ben Guri­on Air­port sucht­en. Ja, erste Straße rechts, dann dritte Straße limks usw. Und nach einigem Imkreis­ge­hen waren wir da, wo wir vorher auch waren und fan­den auch die Bushal­testelle. Also Karte vor, nachgeschaut, wo die Makka­ba Straße war, und als wir fest­stell­ten, es ist nicht weit, haben wir uns auf den Weg gemacht und waren nach kurz­er Zeit dort.

Dreck­ig, war unser erster Ein­druck und warten musste man auch stun­den­lang (zum Eincheck­en), aber das Aben­dessen war recht ordentlich und nette Leute haben wir auch getrof­fen. So schauen wir uns jet­zt einen Film über Elat an und wer­den die 2. Nacht „getren­nt“ schlafen und mor­gen geht´s zum Toten Meer.