Montag, 24. März 1980. Um alle Formalitäten zu erledigen, braucht man doch so einige Zeit. Nach einem Bierchen habe ich einmalig gut und lange geschlafen, allerdings wachte ich mit einem Brummschädel auf. Fürchterliche Kopfschmerzen, die erst allmählich verschwanden. Wir haben sehr viel Sonne geschluckt, vielleicht für den Anfang zu viel. Heute haben wir erst einmal Hüte gekauft.

Die Unterlagen für die Jugendherberge, die Eintrittskaten für die Nationalparks haben wir in der Jugendherberge Tel Aviv bekommen, die Tickets für die Egged Busse allerdings nicht. So mussten wir nochmal auf die Suche nach dem Egged Tours Office und dann ging es mit dem Bus nach Jerusalem, von dort nach Engedi. Eine herrliche Strecke. Die Busfahrer fahren einen „heißen Reifen“. Mehr als einmal habe ich die Luft angehalten. Rechts und links der Straße zerklüftete Felsen, Nomaden hausten mit ihren Tieren dazwischen, Blumen am Wege. Auf der Fahrt von Tel Aviv nach Jericho sind uns die Bäume aufgefallen, die an den Hängen stehen, vielleicht Pinien oder Zedern? Jedenfalls ein ungewöhnliches Bild. Dann der erste Eindruck von Jerusalem, die Stadtmauer. Jerusalem werden wir in der letzten Woche erleben. Hoffentlich bekommen wir noch einen Platz hier in der Jugendherberge.
Engedi ist ganz klein, ein Tal mit Palmen, einem Busbahnhof und etwas auf dem Berg die Jugendherberge. Unten das Tote Meer und ein paar Soldaten, das Maschinengewehr in Richtung Jordanien aufgepflanzt, kontrollieren die Autos. Die Luft riecht nach Salz.



Mittwoch, 26. März 1980. Inzwischen sind allerlei Dinge passiert, dass ich hoffe, mir fällt alles wieder ein. Ich fange am besten mit Montagabend an, dem ersten Abend in der Jugendherberge Zimmer Nr. 1 alle beide. Zuerst dachte ich, wie schön, ein Doppelzimmer, aber der Zahn wurde mit nur allzu schnell gezogen, 8 Betten, 4 Pärchen. Basta. Na ja, gut geschlafen, früh aufgestanden, gefrühstückt, und los ging‘s in Richtung David-Fall im Naturreservat direkt neben der Jugendherberge. Es war wunderschön, wir fanden seltene Blumen, Bäume und sowas ähnliches wie ein Murmeltier, das auch ganz still sitzenblieb, als Wolfgang es fotografierte. Es ging immer steiler den Berg rauf, aber wir hatten unsere Feldflaschen dabei und die Hüte. Wir sahen ein Schild, auf dem stand: Sollte ein Puma erscheinen, so sollten wir ihn mit Steinen verscheuchen. Bis ganz oben sind wir gestiegen, über dem Wasserfall, eine herrliche Aussicht auf den Canon, fast wie im wilden Westen. Dann sind wir einen anderen Weg gegangen, nicht wieder ins Tal, sondern über den Berg zum ehemaligen Kibbuz. Von da zu dem Kibbuz, der noch in Betrieb ist, um was anderes zu trinken als Wasser. Dann zurück nach En Gedi.


























Wir wollten nach Qumran, aber der Bus hielt nicht, und wir waren so trottelig und haben nicht geklingelt. Also ging‘s weiter nach Jerusalem. Dort eine Tasche und Briefmarken gekauft und Geld umtauschen, da es aber schon 4 Uhr war, waren die Banken zu. Also zum Egged Bahnhof zurück. Im Bus trafen wir einen jungen Mann, der uns fragte, ob er uns helfen könnte. Wir kamen ins Gespräch. Seine Mutter ist aus Deutschland, sein Vater Östreicher. Er war sehr nett und wir unterhielten uns über Israel. Als wir ausstiegen, kam er mit, um zu fragen, ob noch ein Bus nach En Gedi fährt. Er meinte schon vorher, da würden wir wohl Pech haben. So war es auch. Kein Bus mehr. Wohin? Da stand plötzlich eine Frau neben uns (oder war die vorher schon dort?) und bot uns ein Zimmer an. Und damit begann unser Abenteuer.
Da wir sowieso nicht wussten wohin, den Jugendherberge-Ausweis in En Gedi hatten nebst unseren gesamten anderen Sachen, sogar meine Brille (ich hatte nur die Sonnenbrille), nicht mal eine Jacke hatte ich, und Wolfgang war in kurzer Hose, so sagten wir Ja zu unserem Schicksal und fuhren mit der Dame, die übrigens gut deutsch sprach und in einer noblen Gegend wohnte (Begin wohnte schräg gegenüber). Das Haus von innen unterschied sich vielleicht insofern von der Spelunke der 1. Nacht, dass es etwas(!) sauberer war. Kostenpunkt: 14 Dollar, kein Abendbrot, kein Frühstück. Wir also was besorgt vom Supermarkt. Die Dame gab uns Teller und Besteck und für unseren Carmel Wein Gläser.
Dann haben wir die Flasche leergetrunken, unseren Ärger und die Besorgnis um unsere Sachen runtergespült, sind um halb 9 Uhr zu Bett, und ich habe jedenfalls gut geschlafen, obwohl ich immer noch im Hinterkopf hatte, dass irgendwas da nicht ganz in Ordnung war. Abends hatten wir noch versucht, die Jugendherberge zu erreichen, aber es klappte nicht. Am nächsten Morgen haben wir ausgiebig geduscht, gefrühstückt (den Rest, der übrig geblieben war), dann das Wetter betrachtet und gefunden, dass es bedeckt war. Die Bushaltestelle fanden wir schnell, nachdem Wolfgang Begins Haus fotografiert hatte. Da die Bank gestern schon zu hatte, mussten wir ja heute noch Geld holen. Um 8.00 Uhr waren wir in Jerusalem an der Egged Station. Die Bank machte erst um 8.30 Uhr auf. Um halb 10 saßen wir endlich wieder im Bus nach En Gedi, aber wir wollten noch in Qumran raus, zu den Höhlen.

In den 2 Stunden etwa, die wir dort waren, haben ca. 10 Busse dort gehalten und eine Menschenmenge ausgespuckt, die sich auf die Überreste der Bauten der Sekte stürzte, dass mir fast schlecht wurde. Wir sind aus dem Trubel raus zu den Höhlen. Während Wolfgang nach oben kletterte und etwa eine Stunde wegblieb, konnte ich in aller Ruhe die Gegend betrachten – und die Menschenmassen.







Die Busfahrt zurück klappte auch. Von En Gedi, wo wir was getrunken haben, sind wir an den Badestrand vom Kibbuz gelaufen. Dort hat Wolfgang gebadet, und wir haben noch einen Holländer getroffen. Dann sind wir in Richtung Jugendherberge gewandert, und dann fing etwas an, was mich sehr schockiert hat. Wolfgang fand am Wegrand ein deutsches Sparbuch von einer Familie aus Reutlingen. 7.500 DM. Danach fanden wir noch Reisechecks und Eurochecks. Damit sind wir zu den Soldaten gegangen, die unter der Jugendherberge an der Straße sind. Sie meinten, wir sollten die Polizei anrufen. Je länger ich über die Dinge nachdachte, fiel mir ein, dass wir am Tage vorher unten im Kibbuz einen deutschen Campingwagen getroffen hatten, Kennzeichen RT, eine Frau kam heraus und weinte. Ich sagte noch zu Wolfgang, dass man ihr bestimmt was geklaut hätte. Heute wissen wir also was. Aber das Schönste kommt noch.
Unsere Sachen waren noch wohlbehalten in der Jugendherberge. Meine Sorge war umsonst. Das Sparbuch haben wir abgegeben, damit es hier in den Safe geschlossen wird. Die Polizei ist verständigt worden und holt morgen die Sachen ab. Wir haben nochmal den gleichen Weg gemacht, und was finden wir im Gebüsch? Ein zweites Sparbuch mit 27.500 DM. Ich war ganz schön erschüttert. Später haben wir auch noch die Schiffskarten gefunden. Das haben wir dann auch noch abgegeben. Die Adresse und die Autonummer haben wir abgeschrieben, denn vielleicht laufen uns die Leute noch über den Weg. Ich hatte also richtig kombiniert: es war der Campingwagen, den ich an dem Morgen gesehen hatte. Ich bin ja gespannt, ob die Leute die Schiffskarten noch bekommen. Am 30. fahren sie zurück. Nun sitzen wir hier in der Jugendherberge, und haben beschlossen, noch 2 Nächte hierzubleiben. Morgen geht es nach Masada, dann runter nach Elat. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
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