Mittwoch, 2. April 1980. Gestern haben wir ordentlich über die Stränge geschlagen, zumindest was unser frühes Zubettgehen betrifft! So bin ich nicht mehr zum Schreiben gekommen abends. Konnte heute Morgen nicht weiterschreiben, da wir es mit dem Aufbrechen etwas eilig hatten. Also der Reihe nach:

Wir sind also vorgestern Abend früh zu Bett gegangen und haben ausgiebig geschlafen, gefrühstückt Punkt 8 Uhr und wegen eines Missverständnisses (der Wirt wollte keine Schekel sondern Dollars haben), ist Wolfgang noch nach Bethlehem gefahren, zu einem Geldwechsler (da alle Banken geschlossen waren), um Dollars einzutauschen. Ich habe mich inzwischen ausgiebig mit dem alten Herrn unterhalten, draußen in der Sonne. Er war sehr gesprächig, hat von Israel erzählt, und wo wir noch unbedingt hinmüssten, und dabei sagte ich, dass wir noch nach Hebron wollten. Er meinte aber, das sollten wir lieber lassen, dort sei man sehr judenfeindlich und vor ein paar Tagen sei ein Israeli von einem Araber umgebracht worden. Zumindest sollten wir nicht in den Stadtkern gehen mit den kleinen Gassen, das sei zu gefährlich. Wolfgang konnte es aber doch nicht lassen, und wir sind zu der Moschee gefahren, die auf einer Anhöhe liegt und wo Abraham begraben sein soll. Leider war die Moschee wegen Feierlichkeiten geschlossen.



So fuhren wir weiter nach Ora, dort sollte eine Jugendherberge sein, die wir aber nicht fanden. Weiter nach QuiryatAnavim. Dort war eine deutsche Gruppe, alles Theologiestudenten, die gerade ein Referat gehalten kriegten. Wie man uns sagte, käme die Herbergsmutter wohl nicht mehr heute wegen Feiertag, aber schlafen könnten wir sicher dort. Aber wir sind erst nochmal los, in Jerusalem gucken. Doch war unser Suchen vergeblich. So fuhren wir nach Beth Meir, 20 Km südl. von Jerusalem, aber das war ein Kibbuz und wegen Pessach geschlossen. Da wir es leid waren, umher zu kutschieren, fuhren wir zurück nach Quiryat Anavim. Inzwischen war die Herbergsmutter auch da, und es klappte mit dem Bleiben.
Die Theologiestudenten waren ein lustiger Verein und wir waren schnell integriert. Abends sind wir nach AbuGosh gepilgert zu 18 Leuten. Einer mit Gitarre, einer mit Flöte und Trommel. Ein unvergesslicher Abend in unserem Urlaub. In Abu Gosh, etwa 5 Km zu laufen, gab es ein Wirtshaus. Dort waren die Studenten schon bekannt und wurden auch entsprechend begrüßt. Abu Gosh ist von Arabern bewohnt, etwa ein Vorzeigedorf. Mit den Israelis verstehen sie sich, da es ihnen egal ist, wer gerade das Land besitzt. Alle im Dorf heißen Abu Gosh. Selbst Gentscher ist schon hier gewesen und das TV! Alle Tische wurden gerückt auf der „Tenne“, damit 18 Leute Platz hatten, jeder bestellte was, und anschließend wurde gesungen und musiziert. Herrlich. Der Rückweg war gut für die Verdauung, denn die meisten hatten Bohnensuppe gegessen.
Kurz nach 23.00 Uhr ging‘s erst zu Bett – eine ungewöhnliche Zeit für uns. Dann kam noch ein Radfahrer in unser Zimmer, den wir schon in Abu Gosh getroffen hatten und uns über seine Satinhöschen lustig gemacht hatten. Der schlief bei uns im Zimmer, wachte leider schon recht früh auf und fing auch gleich zu erzählen an. Er ist Maler in einem Kibbuz in der Nähe von Haifa, dem größten Kibbuz, und in den 12 Tagen Ferien macht er eine Radtour. Dabei hat er einen Schuh verloren.
Um 12.00 Uhr mussten wir unser Auto abliefern. Es war etwas früh, aber wir wollten ja noch nach Haifa. Doch es klappte ausgezeichnet. Nur mit meinem Darm scheint seit einigen Tagen etwas nicht zu stimmen. Mit ist schlecht und ich habe Krämpfe. Von Haifa sind wir nach Kirjat Tiwón gefahren, dort ist eine Jugendherberge. Heute Nachmittag um halb 3 Uhr waren wir die einzigen Gäste.
Nach der Anmeldung sind wir noch nach Nazareth gefahren, uns dort etwas umgesehen. Aber Nazareth ist ein dreckiges Nest, es hat mir nicht gefallen. Wolfgang musste in jede Ecke rein, wo es schon fast unheimlich war, nur um sich vorzustellen, wie Jesus früher aufgewachsen ist, in welcher Umgebung. In der St. Josefskirche und der Verkündigungskirche sind wir auch gewesen, aber dann mussten wir zurück, da der Herbergsvater gesagt hatte, um 18.00 Uhr gäbe es Abendbrot. Wir waren auch pünktlich, und fielen ausgehungert über das recht ordentliche Essen her. Anschließend haben wir einen kleinen Gang gemacht und sind dann hier im Zimmer von einem Beduinen beehrt worden, der heute aus Beer Sheba gekommen ist. Leider klappte es mit der Verständigung nicht so ganz. Übrigens waren wir im Bethlehem in der Geburtskirche.







Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.