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11. Jerusalem

Dien­stag, 8. April 1980. Abends in der schön­sten Jugend­her­berge, die wir bish­er gese­hen haben! Heute Mor­gen um halb 10 Uhr fuhr unser Bus nach Haifa, 2,5 Std etwa(!) dauerte die Fahrt. Zum Glück hat­ten wir Sitz­plätze. Von Haifa ging der näch­ste Bus nach Akko, dort mussten wir uns erst auf die Suche machen, wo die Alt­stadt liegt, beziehungsweise der Leucht­turm, in dessen Nähe die Jugend­her­berge sein sollte. So tra­bten wir los, und erre­icht­en bald schon die Alt­stadt­mauern. Als Wolf­gang dort jemand nach der Jugend­her­berge fra­gen wollte, kam gle­ich ein junger Araber und fragte, ob wir zum Youth Hos­tel woll­ten, er brächte uns hin.

Durch win­klige Gassen und dreck­ige Hin­ter­höfe gelangten wir endlich an das Meer mit seinen Befes­ti­gungsan­la­gen. Der Junge erk­lärte auch, wo die Bahai ihren „Holy Place“ haben und die Rus­sisch-Ortho­dox­en, dass er ein Boot habe und uns auch zum Fis­chen mit­nehmen würde. Und ich dachte mir, wenn der mal nicht gle­ich kassiert für seine frem­den­führerische Aus­führun­gen. Wenn wir nicht mit der Jugend­her­berge zufrieden wären, würde er uns einen Raum empfehlen, der nichts kosten würde. Wir soll­ten mal mitkom­men. Und er führte uns zu einem Platz in der Fes­tungs­mauer, den die Hip­pies, die kein Geld hät­ten, zum Schlafen benutzen wür­den. Ein muf­figes Loch, aber mit Tür und Fen­ster verse­hen. Es stank jedoch nach Rauch, trotz Geld­man­gel der ange­blichen Hip­pies. Da wir es aber vor­zo­gen, in der Jugend­her­berge zu schlafen, begleit­ete uns der liebenswürdi­ge Men­sch bis dor­thin und äußerte auch nach unserm „Danke schön“ das, was ich schon gle­ich ver­spürte, „only thank you? No mon­ey?“ Na ja, was soll‘s…

Die Jugend­her­berge macht einen sehr ordentlichen und sauberen Ein­druck. Es geht ruhig zu, aber recht mit Atmo­sphäre. Bier gibt es sog­ar auch. Akko ist die ori­en­tal­is­chste Stadt von Israel. Dort wohnen die meis­ten Araber. Akko an sich ist eine sehr schöne alte Stadt, allerd­ings sehr dreck­ig, über­all liegt Unrat auf den Straßen.

Mor­gen ist unsere Fahrt fast zu Ende. Rich­tung Jerusalem und Jeri­cho beschließen wir den Kreis.

Don­ner­stag, 10. April 1980. Das let­zte Mal in einem ordentlichen Bett! Die kom­mende Nacht wer­den wir wohl auf dem Flughafen ver­brin­gen müssen. Unsere Fahrt von Akko nach Haifa und von da nach Jerusalem ver­lief recht gut, 3,5 Std ins­ge­samt, bei ziem­lich­er Hitze, denn wir saßen ganz hin­ten im Bus, direkt über der Heizung. Wolf­gang musste anschließend erst­mal den Hin­tern kühlen. Am Jaf­fa Gate in Jerusalem trafen wir – wieder mal – Rudolf und Bea. So kon­nten wir gemein­sam nach Beit Yala fahren. Dies­mal mit dem Sherut-Taxi, das ja recht bil­lig ist – 11 Pfd. bis Beth­le­hem, von dort bis Beit Yala 5 Pfd. pro Per­son.

Nach dem Früh­stück sind Wolf­gang und ich mit dem Taxi nach Jerusalem gefahren. Es war ein erleb­nis­re­ich­er Tag, der sich haupt­säch­lich auf einen Einkaufs­bum­mel in der Alt­stadt beschränk­te außer dem Besuch der El Aqsa und El Omar Moschee. Aber das Einkaufen ver­bun­den mit Han­deln, ist etwas Tolles. Schade, dass es sowas in Deutsch­land nicht gibt. Wir haben sehr hüb­sche Sachen erhan­delt, ein Beduinen­kleid, eine Led­er­jacke (wom­it ein nicht erquick­endes Erleb­nis ver­bun­den ist, dabei sind wir aber bil­lig an die Jacke gekom­men), Schmuck, eine Bluse, ein Palästi­nenser­tuch, ein Schachspiel, und ein Gast­geschenk. Total kaputt, ohne Essen, aber doch zufrieden, sind wir abends wieder nach Beit Yala gefahren.

Mor­gen sehen wir uns das Haus hier an, dann fahren wir nochmal nach Jerusalem, zum Ölberg, …

… und von dort nach Tel Aviv. Den Lehrer aus Würt­tem­berg haben wir auch wieder in Jerusalem getrof­fen. Bea kann erst am Dien­stag zurück­fliegen, sie hat den Rück­flug zu spät bestäti­gen lassen. Wir trafen sie heute Mor­gen in der Alt­stadt.

Israel ade – heißt es mor­gen bzw. wenn die Flugzeit bleibt. Es waren 3 schöne Wochen, sehr lang und sehr inten­siv, eine Wieder­hol­ung wert. Vielle­icht im näch­sten Jahr!