Karfreitag, 4. April 1980. Wir haben es erst heute Morgen beim Frühstück bemerkt, aber ich will alles der Reihe nach erzählen: Die Nacht in Kirjat Tiwón verlief ruhig. Morgens haben wir mit einem Schweizer Pärchen gefrühstückt. In der Nacht hat es geregnet und gedonnert, am morgen war das Wetter auch noch nicht besser. Wir beschlossen aber, trotzdem nach Tiberias zu fahren. Der Bus kam endlich und bis Tiberias regnete es in einer Tour.

Neben mir saß eine Amerikanerin, mit der ich mich die ganze Zeit über unterhalten habe. Sie studierte in Amerika Dramaturgie und war schon das 3. Mal in Israel, um in einem Kibbuz zu arbeiten. Über das Leben und die Arbeit dort konnte sie einiges erzählen. Man bekommt dort kein Geld, sondern nur Warengutscheine zu einem bestimmten Wert, die man in dem Laden im Kibbuz eintauschen kann. Alles andere hat man frei: Wohnen, Essen, Kleidung zum Beispiel. Morgens um 6.00 Uhr ging die Arbeit los in den Feldern. Bananenpflücken, Apfelsinen, Baumwolle, was gerade so anliegt, bis 3.00 Uhr am Nachmittag. Zwischendurch gibt es Essen. Obwohl die Arbeit in einem Kibbuz sehr anstrengend ist, gefällt vielen das Leben dort und sie bleiben.
In Tiberias angekommen, regnete es immer noch. Wir liefen durch die Altstadt und suchten die Jugendherberge. Sie machte erst 16.00 Uhr auf. Viel zu spät bei dem Regen. So suchten wir das Hospiz Terra Sancta, empfohlen in unserem Israel Buch, fanden aber nur ein Hospiz der Church of Scottland. 15 Dollar pro Person, und wir gingen wieder. Da fiel ich zu allem Unglück noch die Treppen hoch, 2 Finger aufgerissen, zum Glück sind die Hosen und Kniee heilgeblieben, doch weh tat es ganz schön, und ich habe erstmal einen Streifen geheult.
Der Regen ließ manchmal etwas nach und in diesen Perioden liefen wir von Dach zu Dach praktisch, und inzwischen waren wir an der „großen Moschee“ angelangt, bei der Bank. Da standen wir nun, und wer kam da die Straße entlang? Es war nicht zu fassen: Rudolf und Beatrice und ein Amerikaner, den die beiden aufgegabelt hatten. Wir konnten es kaum glauben. Die Beiden hatten nachts am Strand geschlafen und waren pitschnass geworden, daher suchten sie dringend eine warme Bleibe. Steven, so hieß der Amerikaner, und Rudolf gingen zur Information, um sich zu erkundigen, wo Terra Sancta war. Es lag direkt am Strand, wir waren einmal schon dicht dabei gewesen. Also nichts wie hin.
Ein Mönch öffnete und schellte nach einer Dame, die uns nach oben in die Gemächer führte. Da wir froh waren, billig und trocken untergebracht zu sein, macht die enorme Verwahrlosigkeit des vielleicht ehemaligen Glanzes nicht solchen Eindruck auf uns. Jeder bekam sein Zimmer, und am unteren Ende des Ganges zum See hin, ist ein Wintergarten, wo ein Gaskocher steht, altes Geschirr, ein langer Tisch, Toilette gleich nebenan, und jeder fühlt sich gleich zu Hause. Es wurde ein gemütlicher Nachmitttag und Abend. Steven entschloss sich, doch noch eine Nacht zu bleiben. So kauften wir erst mal ordentlich ein, um etwas Warmes in den Bauch zu kriegen.
Abends gab es Fisch, Bratkartoffeln, Salat, Avocados, Suppe, von Steven zubereitet, der aber mit den Erbsen Kummer hatte. Etwa 2–3 Stunden hat die Zubereitung alles in allem gedauert, einschließlich Essen, Tee und Kaffee zu bereiten, dass andere Mitbewohner schon pikiert zu dem Kocher schielten, der nicht freiwerden wollte. Zwei andere Deutsche aus Berlin, Stadtplaner-Studenten leisteten uns Gesellschaft. Da kein Licht in der Küche war, spendeten sie Kerzen, aber Wolfgang kam auf die Idee, mal in dem Stockwerk tiefer die Birnen rauszudrehen, und siehe da, es ward wieder Licht! Bei Wein vom Carmel und Spaß in Deutsch und Englisch beschlossen wir den Tag. Es war der 2. Regentag.
Heute Morgen schien die Sonne. Wolfgang und ich machten Frühstück und weckten Rudolf und Bea. Steven kam und kam nicht weg. Er war extra früh aufgestanden, um gleich zu fahren, aber anscheinend gefiel es im zu gut bei uns. Wir erfuhren noch, dass er noch etwa ein Jahr in Israel bleibt, dann vielleicht nach Indien geht. Rudolf will er noch in Beit Yala besuchen. Steven ist ein sehr aufgeschlossener sympathischer Mensch. Das ist etwas Schwieriges oder nicht so gut zu Bewältigendes bei so einem Urlaub. Man lernt Menschen kennen, geht ein Stück miteinander, und dann ist wieder der Abschied da. Ein Stück Verbindung reißt ab – manchmal schmerzt es ein bisschen. Wiedersehen wird man sich wohl kaum.












Nachdem wir vorsorglich für den Schabbat und anschließendem Feiertag eingekauft haben, sind wir mit dem Boot über den See Genezareth nach En Gev gefahren. Das war sehr schön. In weiter Ferne konnten wir den Hermon sehen. En Gevist ein Kibbuz, aber es kommen sehr viele Touristen dorthin, mit Bussen und mit dem Schiff. Wolfgang und die anderen beiden sind noch zum Schwimmen an den Strand gegangen. Ich habe mir ein Süppchen gekocht und muss doch endlich meine Eindrücke niederschreiben.








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