Samstag, 5. April 1980. Müde und kaputt bin ich heute Abend – und Wolfgang spricht noch vom Ostereierfärben! Rudolf und Bea wollten heute Morgen eigentlich recht früh los und ohne uns, aber das Frühstück zog sich mal wieder in die Länge, nachdem wir erstmal alle aus den Betten waren.
Gestern Abend haben wir noch gekniffelt und anschließend „Meierle“ gespielt bis etwa 23.00 Uhr. Ein Lehrer aus Württemberg ist bis morgen hier und der kannte solche Spielchen. Noch 2 weitere deutsche Pärchen sind hier, recht nette Leute, die auch wie wir, heute Richtung Kapernaum laufen wollten.

Da keine Busse fahren, gingen wir so gegen 10.00 Uhr alle vier los, Bea und Rudolf wollten ein Stück mit und dann in die Berge. Aber der Weg zog sich in die Länge, wir blieben an jeder interessanten Ecke stehen, und dann bin ich mal wieder hingefallen, diesmal auf den Hinterkopf. Tat ganz schön weh. Aber was macht das schon… Die Beiden gingen nach etwa 1,5 Std. an den Strand runter, wir blieben auf der Hauptstraße und legten erst mal eine flotte Sohle auf.
Um 13.00 Ur waren wir endlich in Kapernaum. Hätte ich vorher gewusst, was da auf uns wartete, wäre ich bestimmt nicht 15 Km gelaufen. Ein Riesen-Touristenrummel, hier und da ein paar alte Gemäuer, aber ich weiß beileibe nicht, warum da solch ein Zirkus gemacht wird. Mit „geziemender“ Kleidung kommt man dort nur rein, also nicht mit kurzer Hose in die heiligen Stätten. Zum Glück hatten wir vorher schon die kurze in die lange Hose umgetauscht, wegen des Sonnenbrandes, der sich allmählich bemerkbar machte.
Der Weg zurück stand uns noch bevor, denn ein Boot hätten wir vorher chartern müssen, so fuhr keins. Wir hatten aber Glück, erst nahm uns ein alter Jeep mit, dann ein Bulli, wo schon ein paar Soldaten drin waren, auch von der Straße aufgelesen. Kurz nach 16.00 Uhr waren wir zu Hause. Und der Sonnenbrand brannte ganz schön…
Der See Genezareth ist ein wunderschönes Fleckchen. Meine Meinung über den Norden muss ich doch wohl allmählich revidieren. Schließlich sind wir im Regen hier gelandet… Hier blüht sehr viel, wahrscheinlich besonders intensiv nach dem Regen. Die Hänge des Sees waren übersät mit Mohn, dazwischen weiße und gelbe Blumen, ein wunderschöner Anblick. Rund um den See sind Berge, im Hintergrund kann man den Hermon sehen, der mit Schnee bedeckt ist. Alles sieht so nah aus, aber das täuscht.
Die obere Hälfte des Sees ist mit Fischen besiedelt, da es dort Zuflüsse gibt, die Nahrung für die Fische mit sich führen. Hier fängt man den Petersfisch, den wir uns am ersten Abend gleich zubereitet haben. Er schmeckt sehr lecker und ist auch nicht teuer. Gestern haben wir drei Riesenfische gesehen – Kassiv genannt – einer wog etwa 16 Kg.

Mittwoch wollen wir uns mit Rudolf in Beit Yala treffen. Vorher wollen wir noch zu der Danquelle, dann noch nach Akko (wahrscheinlich am Dienstag).



Ich fürchte, ich habe heute zu viel Sonne gekriegt. Das wird wohl keine gute Nacht…
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