Ostersonntag, 6. April 1980. Es war keine gute Nacht. Der Sonnenbrand hat mich sehr geplagt, dazu eine dreiste Mücke, die dauernd um meinen Kopf flog. Nach dem Frühstück sind wir mit zwei anderen Deutschen, Norbert und Susanne aus Frankfurt, zur Busstation gefahren, zu erkunden, wie die Busse nach Quiriat Shmona fahren. Es war günstig – fast sofort. Der Bus war gerammelt voll, aber die Strecke ist sehr schön. Quiriat Shmona liegt ziemlich oben an der Libanesischen Grenze. Wir bekamen gleich einen Bus nach Dan, wo das Naturreservat liegt. Allerdings sind es von Dan noch etwa 2 Km zu laufen.

Doch es hat sich gelohnt. Ein wunderschönes Gebiet, fast wie im Urwald, tat sich auf, Wasser überall, wenig bis ganz viel, Feigenbäume mit leider noch nicht reifen Früchten, Lianen, an den blühenden und duftenden Bäumen. Hier also war eine der 3 Quellen des Jordan, der Dan, gleich an der Grenze zum Libanon. Im Hintergrund der Hermon mit schneebedeckter Spitze. Wahrscheinlich sieht es in Deutschland jetzt nicht anders aus.



Mit knapper Not bekommen wir den Bus von Quriat Shmona nach Tiberias, da der Bus von Dan über eine halbe Stunde Verspätung hat. „Zu Hause“ angekommen, stellen wir fest, dass Rudolf und Bea wieder da sind, zurückgekehrt mit Blasen und kaputter Zehe. Das Laufen bereitete ihm Schmerzen. Es wird wieder ein „Essenabend“, die beiden haben Fische besorgt, wir hatten Putenkeulen, und so ist es wieder mal 22.00 Uhr geworden. Der Lehrer aus Württemberg ist heute Morgen doch nach Jerusalem gefahren.
Morgen gehen wir zu den heißen Quellen, die vor der Stadt liegen, und machen einen Rundgang. Der Abend war fast schwül, es blitzte ein paarmal und der Wind war unwahrscheinlich warm. Sonst haben wir immer einen Pullover gebraucht.
Morgen geht der Pessach zu Ende und es gibt endlich wieder ordentliches Brot.
Ostermontag, 7. April 1980. Gestern Abend war es sehr schwül, anschließend kam ein Wind auf, der die Tische am Strand umwarf und die Sonnensegel runterholte. Abends kam noch eine arabische Familie mit einigen Vätern, Müttern, Oma und vor allem vielen Kindern. Norbert und Susanne haben das größte Zimmer (4 Betten) geräumt, damit die Oma und noch ein paar Sippenmitglieder dort schlafen konnten.
Am nächsten Morgen ab 6.00 Uhr war die Nachtruhe vorbei. Die Glocke rief zur Messe. Als alle schließlich weg waren, war wieder eitel Ruhe und wir konnten endlich frühstücken. Dann brachen wir auf, um ein bisschen rumzulaufen. Rudolf und Bea trafen wir auch unterwegs. So steigen wir wieder mal gemeinsam den Berg hoch, direkt bei Tiberias gelegen. Wunderschöne Blumenwiesen an den Hängen, rosa, blaue, rote, gelbe, weiße Blumen, in allen Größen und Formen. Annähernd so ähnliche Wiesen findet man im Schwarzwald, aber der Jahreszeit entsprechend. Hier blüht alles auf einmal und danach sind die Hänge wieder kahl. Eine phantastische Aussicht hatten wir von der Bergeshöhe auf den See und die Stadt.
Im Tal wieder angekommen, ging‘s erstmal in den See und der Durst wurde gelöscht. Jetzt sitzen wir hier in der Hitze (es ist immer noch sehr schwül, weil der Wind nicht geht) und essen erstmal ein bisschen, da wir vergessen hatten, was mitzunehmen.
Morgen verlassen wir die gastliche Stätte hier und fahren nach Akko, der Kreuzfahrerstadt, von da nach Jerusalem. Die schöne Zeit ist bald zu Ende!




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