06. Die Konkordatskirchen und die Erweckungsbewegung im 19. Jahrhundert

Am Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Protestanten in der Dauphiné nur noch 43.000, und die Neubildung der protestantischen Gemeinden erfolgte im strengen Rahmen des Konkordats und der „Organischen Artikel“ von 1802.

Diese neue kirchliche Organisation hat drei Charakteristiken:

  1. Das Fehlen einer Synode zur Zeit des geistigen Wiederaufbaus(1).
  2. Die Einrichtung von „Konsistorialkirchen“ mit 6.000 Seelen, die von einem aus den 25 meistbesteuerten Honoratioren bestehenden Konsistorium geleitet wurden, in der Drôme gab es 5 Konsistorien, eins in der Isère, dessen Mittelpunkt Mens-en-Trièves mit zwei Pfarrern bildete und eins in den Hautes-Alpes, dessen Mittelpunkt Orpierre war, mit nur einem Pfarrer.
  3. Die beamteten Pfarrer wurden von der Regierung ernannt, waren aber abhängig von den Erkundigungen, die Praefekt, Friedensrichter und Polizeikommissare über sie einholten(2).

Jahrhundertelange Verfolgungen, beamtete Pfarrer, deren Predigten oft wenig mit dem Evangelium zu tun hatten, Honoratioren in der „Kirchenleitung“, – all das erklärt, warum die reformierten Kirchen ihre Lebendigkeit verloren(3).

Ab 1820 entsteht eine engagierte Erweckungsbewegung. Es ist ein internationales Phänomen, welches sich zuerst in Grossbritannien bemerkbar machte, dann in Genf, und zwar in der pie’tistisch-dissidenten Gemeinde von Bourg-du-Four.

Anmerkungen

  1. Die Protestanten aus der Drôme ergriffen die Initiative, 1850, 1852 und 1856 eine offiziöse Synode auf Departementsebene einzuberufen.
  2. Portalis, Kultusminister unter Napoleon I., ernannte Jean Béranger 1804 zum Pfarrer in Mens. Ludwig der XVIII. ernannte Scipion Raoux zum Pfarrer in Die (1823). Karl X. ernannte 1825 Francois Dumont zum Pfarrer in Mens. Napoleon III. ernannte 1859 Ernest Ganjoux zum Pfarrer in Saint-Sébastien-de-Cordéac.
  3. Napoleon III. erlässt am 26. März 1852 ein Dekret, mit dem die protestantischen Gottesdienste neu organisiert werden sollten. Die Ortskirche wird fortan „Gemeinde“ genannt, die Presbyteriumsräte werden von der Gemeinde in allgemeiner Wahl gewählt.