Quellen, Ministerialen, Boyneburger und Forschungsgeschichte
826 — 876
Erste Erwähnung von Thurisloun
In den Corveyer Traditionen erscheint erstmals der Ort Thurisloun. Genannt werden:
- Hado in Stalo
- Berndag
- Wendildac
- Wulfhard
- Ody
- Wytsuit
- Merio
- Waldonis
Übertragen werden Besitzungen und Güter an das Kloster Corvey. Damit beginnt die urkundlich fassbare Geschichte des frühern Altenfels u. späteren Durslon.
Eine Curtis und Burg bei Brilon: Seib. Quellen Bd. 3,
siehe
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- 2026/03
Thurislouner u. Dorsloner Adels-Stamm - 2026/07
Dorsloner Hof- und Landbesitzer - 2026/08
Die Dorsloner Verwandtschaft in Marsberg und umliegenden Raum

um 870 — 952
Die Hahold-Familie und Geseke
Hahold III. von Sachsen gilt als früher Vertreter der Hahold-Sippe.
Sein Sohn Hahold IV. von Sachsen wird Mitbegründer des Damenstiftes Geseke.
946
Gründung des Damenstiftes Geseke
durch:
- Hahold IV.
- Brun
- Friedrich
- Wichburg
Wichburg wird erste Äbtissin.
952
Otto I. bestätigt die Stiftung.
986
Wigswid von Sachsen wird urkundlich als Venerabilis Abbatissa Wigswid bezeichnet.
Nach H. D. Tönsmeyer steht sie mit Besitzungen oder Schenkungen in Thurisloun in Verbindung. Damit wird Thurisloun erneut urkundlich greifbar.
1050 — 1107
Die Boyneburger Herrschaft
Siegfried III. von Boyneburg
- Graf von Boyneburg
- Angehöriger des Hauses Northeim
- Vogt von Corvey
- Besitzer der Boyneburg
- Besitzer der Burg Altenfels
Unter seiner Herrschaft liegt Durslon im Einflussbereich Corveys und der Boyneburger.
1106 — 1128
Die Herrenhöfe von Thurslen
Bereits vor der ersten Nennung der Ministerialen berichtet eine Quelle, die später von Kindlinger veröffentlicht wurde:
duo dominicalia unum in Thurslen
(zwei Herrenhöfe)
Dies ist von besonderer Bedeutung.
Ein dominicale war kein gewöhnlicher Bauernhof, sondern ein unmittelbar herrschaftlich verwalteter Herrenhof.
Durslon war somit bereits Anfang des 12. Jahrhunderts ein lokaler Herrschaftsmittelpunkt.
Die Bedeutung der Herrenhöfe
Die Herrenhöfe von Thurslen zeigen:
- Durslon war kein unbedeutender Weiler.
- Es bestand eine organisierte Grundherrschaft.
- Die Besitzungen standen wahrscheinlich im Zusammenhang mit Corvey und den Boyneburgern.
- Hier liegt vermutlich die Grundlage für die späteren Ministerialen von Durslo.
1095 — 1144
Siegfried IV. und der Herrschaftsraum Durslon bis Altenfels bei Brilon
Siegfried IV. von Boyneburg und Homburg war einer der mächtigsten Adeligen seiner Zeit.
Er war Vogt von:
- Kloster Corvey
- Kloster Bursfelde
- Kloster Helmarshausen
Zu seinem Besitz gehörten:
- Boyneburg
- Homburg
- Krukenburg
- Altenfels
Diese Burgen dienten wahrscheinlich als Verwaltungs- und Herrschaftsorte, an denen sich der Graf mit seinen Ministerialen und Untergebenen traf.
1144
Tod Siegfrieds IV.
Mit ihm endet die männliche Linie des Hauses Northeim.
1144
Die Ministerialen von Durslo
Bereits vor Kindlinger veröffentlichte Franz Dominicus Häberlin im Jahr 1764 in den Analecta medii aevi ad illustranda jura et res Germanicas Hinweise auf Oldenvils/Aldenvels (Altenfels).
Im Allodialverzeichnis Siegfrieds IV. erscheinen:
- Heinricus de Durslo
- Wendelhardus de Durslo
- Ricnant de Durslo dessen Söhne die das selbe Lehn des Grafen Siegfried IV von Northeim innehaben
Heinricus de Durslo, Wendelhardus de Durslo, Ricnant de Durslo ministerialis cujus filie beneficum tenent ejusdem.
Gleichzeitig wird erstmals die Burg Altenfels erwähnt.
Die Quelle zeigt:
- Die Ministerialen standen im Dienst Siegfrieds IV.
- Sie gehörten zum Herrschaftsverband Durslon–Altenfels.
- Sie erscheinen als gehobene Dienstleute und lokale Herrschaftsträger.
Die Verbindung zu den Herrenhöfen von Thurslen.
1145 — 1150
Judith von Northeim
Halbschwester Siegfrieds IV.
um 1179 — 1180
Altenfels und die Ritter von Durslon
Zerstörung der Ostburg Altenfels.
Wahrscheinlicher Zusammenhang mit den Kämpfen zwischen Friedrich I. Barbarossa und Heinrich dem Löwen.
1210 — 1228
Urkundlich erscheinen:
- Andreas de Durslon miles
- Conrados de Durslon miles
Sie halten sich in der Villa Horhusen auf.
Wahrscheinlich stehen sie in der Tradition der älteren Ministerialen von Durslo.
1229
Die Bürger von Horhusen/Niedermarsberg beschließen einen Neuanfang auf dem Bergplateau.
Es beginnt der Ausbau von Obermarsberg.
Als erstes entstehen dauerhafte Befestigungen.
Andreas und Conrados de Durslon dürften zu den beteiligten Burgmannen und Rittern gehört haben.
1294
Altenfels im Spätmittelalter
Siegfried von Westerburg dankt den Bürgern von Brilon für ihre Hilfe beim Wiederaufbau der Burg Altenfels.
Urkundentext:
Consulibus et opidanis de Brylon universis, quia edificationi et structure Castri nostri Aldenvels …
Damit ist belegt:
- Altenfels bestand weiterhin.
- Die Burg wurde wiederaufgebaut.
- Die Briloner halfen beim Wiederaufbau der Westburg.
1298
Wigbold von Holte überträgt Altenfels an:
- Stephan von Horhusen
- Conrad von Horhusen
1307
Heinrich II. von Virneburg erlässt eine Landfriedensordnung.
1325 — 1326
Weitere Erwähnungen der Burgmänner von Altenfels.
Die Burg bleibt Teil der kölnischen Grenzsicherung.
Die Historikerdebatte um Altenfels
1764
Häberlin
Franz Dominicus Häberlin veröffentlichte bereits vor Kindlinger Hinweise auf Oldenvils/Aldenvels.
1793
Kindlinger
Nikolaus Kindlinger druckte die wichtige Nachricht:
duo dominicalia unum in Thurslen
und machte damit die Herrenhöfe von Durslon bekannt.
1832
Schrader
Ludwig Schrader untersuchte in Die älteren Dynastenstämme (Bd. I, S. 122 und 197–199) die Herrschaftsverhältnisse der Boyneburger.
Nach Seibertz kam Schrader der Wahrheit über den Standort von Altenfels am nächsten.
Grupen
Johann Daniel Grupen entwickelte eigene Theorien über Altenfels.
Seibertz hielt diese jedoch für nicht ausreichend belegt.
1839
Seibertz
Johann Suibert Seibertz wertete die älteren Quellen kritisch aus und schuf die Grundlage für die spätere Altenfels-Forschung.
Moderne Archäologie
1968
Sprengung der Westburg
Die Westburg wurde durch voranschreitende Steinbrucharbeiten widerrechtlich durch Sprengung um 1968 zerstört. Angeblich die Arbeitsplätze sichern, aber die Finanzelle Raffgier war ausschlaggebend. Somit blieb nur noch die Ostburg übrig, die behörtlicherseits gesichert und untersucht wurde.
2003 — 2004
Sonja Herzig
untersuchte die Anlage archäologisch.
Die Grabungen ermöglichten die Rekonstruktion des Kirchengrundrisses.
Damit wurde erstmals durch archäologische Befunde bestätigt, dass auf Altenfels eine bedeutende mittelalterliche Anlage mit Kirche oder Kapelle bestanden hat.
Die modernen Grabungen stützen damit zahlreiche Beobachtungen von Schrader und Seibertz.
Gesamtergebnis
Die bisher bekannten Urkunden, die Arbeiten von Häberlin, Kindlinger, Schrader und Seibertz sowie die Grabungen von Sonja Herzig ergeben zusammen ein bemerkenswert geschlossenes Bild:
- Thurisloun ist seit dem 9. Jahrhundert belegt.
- In Thurslen bestanden spätestens um 1106–1128 herrschaftliche Höfe.
- 1144 erscheinen die Ministerialen von Durslo und die Burg Altenfels.
- Andreas und Conrados de Durslon setzen die Überlieferung im 13. Jahrhundert fort.
- Altenfels bleibt bis ins 14. Jahrhundert ein bedeutender Herrschaftsmittelpunkt.
- Die moderne Archäologie bestätigt die historische Überlieferung.
- Durslon und Altenfels bildeten einen gemeinsamen Herrschafts- und Verwaltungsraum der Boyneburger Grafen und ihrer Dorsloner Ministerialen.








Univ. Ob. Präparator i. R.
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