Interdisziplinäre Untersuchungen zur Erdgeschichte, Siedlungsentwicklung und regionalen Überlieferung
Die historische Entwicklung des Hofes Dörscheln
Von den natürlichen Grundlagen der Besiedlung bis in die Gegenwart
Der Hof Dörscheln bei Rönsahl gehört zu den ältesten nachweisbaren Hofschaften der Region und stellt ein bedeutendes Zeugnis der westfälischen Siedlungs- und Familiengeschichte dar.

Bereits historische Grundbücher aus der Zeit um 1550 nennen den Hof unter den Schreibweisen „Dörseln“ beziehungsweise „Doerseln“. Damit ist seine Existenz seit mehreren Jahrhunderten urkundlich belegt. Die unterschiedlichen Schreibweisen entsprechen den damals üblichen regionalen und sprachlichen Veränderungen und verweisen auf eine lange historische Entwicklung des Ortsnamens.
Besondere Bedeutung kommt der außergewöhnlichen Kontinuität zwischen Hof, Familiennamen und Heimatort zu. Genealogische Aufzeichnungen nennen bereits um 1590 einen Johannes zu Dörseln, der als Landschöffe eine verantwortungsvolle Stellung innerhalb der örtlichen Gemeinschaft innehatte. Mit Johannes zu Dörseln dem Älteren (um 1603) und Johannes zu Dörseln dem Jüngeren (um 1625) lässt sich eine über mehrere Generationen reichende Familienfolge nachvollziehen.
Zusätzliche historische Belege liefern amtliche Kartenwerke des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Eine topographische Karte von 1840 führt den Ort als „Dörseln“. Ebenso erscheint diese Schreibweise auf der geologischen Karte von 1850 des Geologen Heinrich von Dechen. Auf einer Katasterkarte von 1904 wird die Hofstelle mit der Flur 92 des Karl Dörscheln bei Rönsahl verzeichnet. Diese Dokumente belegen die fortdauernde Existenz des Hofes sowie den allmählichen Übergang von der älteren Form „Dörseln“ zur heutigen Schreibweise „Dörscheln“.
Von besonderer historischer Bedeutung ist die Tatsache, dass sich die Verbindung zwischen Familie, Hof und Heimat über Jahrhunderte hinweg erhalten hat. Während zahlreiche Familiennamen durch Kriege, Erbteilungen, Wanderungsbewegungen und gesellschaftliche Veränderungen ihren regionalen Bezug verloren, blieb die Identität des Hofes Dörscheln bis in die Gegenwart bestehen.

Diese außergewöhnliche Kontinuität stellt ein seltenes Beispiel für die Verwurzelung einer westfälischen Erbsassenfamilie mit ihrem Lebensraum dar. Der Hof Dörscheln ist deshalb nicht nur als landwirtschaftlicher Betrieb zu betrachten, sondern zugleich als bedeutender Erinnerungsort regionaler Kultur- und Familiengeschichte.
Gleichzeitig ist zwischen gesicherten historischen Quellen und weiterführenden genealogischen Hypothesen zu unterscheiden. Die Existenz des Hofes, die historischen Karten sowie die genannten Personen sind durch Quellen belegt. Weiter zurückreichende Abstammungszusammenhänge bedürfen hingegen einer sorgfältigen wissenschaftlichen Prüfung und dürfen nicht ohne entsprechende Nachweise als gesichert angesehen werden.
Insgesamt zeigt sich, dass der Hof Dörscheln ein außergewöhnliches Zeugnis westfälischer Geschichte darstellt, in dem sich über Jahrhunderte hinweg Siedlungsgeschichte, Familienkontinuität, Heimatverbundenheit und regionale Tradition miteinander verbinden.
Literatur
- Beiträge zur Familienforschung
- 1995/01 — Spuren im Kirchspiel Rönsahl
- 2002/06 — Der Stammhof Dörscheln in Dörscheln in verschiedenen Ansichten
- Stammbaum Dörseln Dörscheln von den Genealogen Otto Lesser Lüdenscheid 1948 und neuzeitlich bearbeitet von Thomas Dörscheln
Devonischer Vulkanismus und das Vorkommen von Keratophyr im Raum Dörscheln
Geologische Grundlagen der Landschaftsentstehung



Geologische Besonderheiten im südwestlichen Ebbegebirge
Der Raum Dörscheln bei Rönsahl gehört geologisch zum südwestlichen Bereich des Ebbegebirges im Rheinischen Schiefergebirge. Geologische Kartierungen und die Erläuterungen zum geologischen Kartenblatt Meinerzhagen von Fuchs (1923) belegen das Vorkommen von Quarz‑, Feldspat- und Keratophyrgesteinen sowie vulkanischen Tuffen.
Diese Gesteine stellen Zeugnisse eines intensiven untermeerischen Vulkanismus dar, der sich vor etwa 390 bis 400 Millionen Jahren während des Devon ereignete.
Entstehung im Devon
Während des Devon lag das heutige Sauerland nicht an Land, sondern befand sich unter einem flachen Meer. In diesem Meeresraum kam es zu wiederholten vulkanischen Aktivitäten:
- Magma stieg aus tieferen Bereichen der Erdkruste auf.
- Untermeerische Vulkane förderten Lava, Aschen und vulkanische Lockermaterialien.
- Die vulkanischen Ablagerungen vermischten sich mit marinen Sedimenten.
- Durch spätere Umwandlungs- und Gebirgsbildungsprozesse entstanden die heute sichtbaren Gesteine.
Was ist Keratophyr?

Keratophyr ist ein feinkörniges, kieselsäurereiches vulkanisches Gestein und gehört zu den sauren Vulkaniten. Es ist besonders reich an Alkalifeldspäten und tritt häufig gemeinsam mit vulkanischen Tuffen auf.
Typische Eigenschaften sind:
- hellgraue bis rötliche Färbung
- hohe Härte
- feinkörnige Struktur
- gute Verwitterungsbeständigkeit
- häufiges gemeinsames Auftreten mit vulkanischen Tuffen
In älterer Literatur des Sauerlandes wurden diese Gesteine teilweise auch als Leucoporphyre bezeichnet.
Die geologische Bedeutung von Dörscheln
Nach den Erläuterungen zum geologischen Kartenblatt Meinerzhagen liegt Dörscheln in einer geologisch auffälligen Zone zwischen:
- Dörscheln
- Wilbringhausen
- Haarhausen
- Wöste
- Heukelbach
In diesem Bereich wurden die ursprünglich horizontal abgelagerten vulkanischen Gesteinsschichten während der variszischen Gebirgsbildung mehrfach gefaltet, gestaucht und gegeneinander verschoben.
Dadurch entstand die heute charakteristische Struktur des südwestlichen Ebbegebirges.
Quellenhinweis
- Fuchs, A. (1923): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Preußen und benachbarten deutschen Ländern, Blatt Meinerzhagen. Preußische Geologische Landesanstalt, Berlin.
- Geologische Übersichtskarten des Rheinischen Schiefergebirges.
- Aktuelle geowissenschaftliche Einordnungen zur devonischen Vulkanismuszone des Sauerlandes.
Kritische Quellenbewertung
Die Veröffentlichung von Fuchs aus dem Jahr 1923 besitzt hohen historischen Quellenwert, entspricht jedoch nicht mehr vollständig dem heutigen Stand der Geowissenschaften. Moderne Untersuchungsmethoden (radiometrische Datierungen, geochemische Analysen und digitale Kartierungen) haben zahlreiche ältere Einordnungen präzisiert.
Die grundsätzliche Aussage über das Vorkommen von Keratophyr und vulkanischen Tuffen im Raum Dörscheln gilt jedoch weiterhin als wissenschaftlich anerkannt.
Bodenfunde auf den Feldern des Ortes Dörscheln










Eine fast vergessene Quelle mit Heilkraft von Dörscheln (Kierspe)
Hydrogeologische Besonderheiten, Überlieferungen und ihre kulturgeschichtliche Bedeutung
Heimatgeschichtliche Betrachtung zum Mehlborn
aus Familiengeschichtliche Blätter Jg. 2 2010 Heft 1 — überarbeitet entnommen
Zwischen Nott, Grüner Weg und dem Gehöft Dörscheln bei Kierspe liegt eine heute nahezu vergessene Quelle, die im Volksmund als Mehlborn bezeichnet wird. Während sie früher für die Bewohner der umliegenden Höfe eine wichtige Rolle spielte, ist ihre Bedeutung im Laufe der Zeit weitgehend verloren gegangen.
Der Name „Born“ bedeutet Quelle oder Brunnen. Für die Bezeichnung „Mehl“ wird unter anderem eine Herleitung aus dem althochdeutschen mahelen beziehungsweise melen diskutiert, was mit „vor Gericht laden“ oder einer Thingstätte in Verbindung gebracht werden könnte. Eine eindeutige Deutung ist bislang jedoch nicht gesichert.
Die Quelle befindet sich in den ehemaligen Dörseler Wiesen in einem ruhigen Wiesental, das heute nur wenig vom Verkehr der nahegelegenen Bundesstraße B 237 beeinflusst wird. Eine später errichtete steinerne Einfassung erinnert noch an ihre frühere Bedeutung für die Wasserversorgung von Mensch und Vieh.
Erinnerungen der Familie Dörscheln
Friedrich-Wilhelm Dörscheln sen. (*23. Februar 1879; †21. März 1969) aus Drehscheiderhagen berichtete in seinen Aufzeichnungen über die Quelle. Nach dem Ersten Weltkrieg, noch vor 1927, besuchte er seine Verwandten, die Familie Karl Dörscheln (*17. Februar 1861; †1. Juli 1927) im Ort Dörscheln.
Seit jener Zeit wurde innerhalb der Familie überliefert, dass die Mehlbornquelle niemals versiegte und selbst in strengen Wintern nicht zufror. Diese Besonderheit wurde von mehreren Personen unabhängig voneinander bestätigt.
Die Quelle und mögliche historische Zusammenhänge
Heimatgeschichtlich gehört der Bereich um den Mehlborn zu den besonders interessanten Kleinoden der Region. Alte Überlieferungen berichten von einer Kapelle auf der Nott, die sich möglicherweise in der Nähe der Quelle befunden haben könnte.
Unmittelbar daneben sind noch heute Reste eines alten Heer- und Handelsweges zwischen Kierspe und Rönsahl nachweisbar. Dieser Weg gilt als Vorläufer der nach 1815 angelegten „Chaussee von Elberfeld nach Frankfurth“, der heutigen Bundesstraße B 237.
Die Nähe von Quelle, Verkehrsweg und vermuteter Kapelle deutet darauf hin, dass dieser Ort bereits in früher Zeit eine besondere Bedeutung besessen haben könnte.
Die Familie von Dorslen
Um 1480 erscheint mit Deipmar von Dorslen erstmals ein Vertreter dieser Familie in den Quellen. Er wurde mit einem Hof- und Sattelgut in Bürhausen belehnt. Entsprechende Hinweise finden sich in Urkunden des Herzogtums Westfalen sowie im Landesarchiv Düsseldorf.
Spätere genealogische Arbeiten, unter anderem von dem Genealogen Otto Lesser aus Lüdenscheid, führen ihn als Begründer beziehungsweise frühen Namensgeber der Ortschaft Dörseln beziehungsweise Dörscheln auf. Ob Deipmar bereits Kenntnis von der Quelle oder einer möglichen Kapelle besaß, bleibt allerdings Spekulation.
Überlieferte Heilkraft des Wassers
Der Mehlborn wurde über Generationen hinweg als Heilquelle angesehen. Besonders bei Magenbeschwerden soll das Wasser hilfreich gewesen sein. Bewohner und Feldarbeiter nutzten die Quelle regelmäßig zur Erfrischung; eine Schöpfkelle soll stets bereitgelegen haben.
Allerdings wurde auch berichtet, dass das sehr kalte Wasser bei übermäßig schnellem Trinken Magenbeschwerden verursachen konnte.
Friedrich-Wilhelm Dörscheln erhielt seinerzeit sogar eine Selters-Tonflasche mit frischem Quellwasser als Geschenk.
Archäologische und historische Hinweise
Einige Heimatforscher vertreten die These, dass sich bereits in früher Zeit Menschen im Bereich der Quelle aufgehalten oder dort gesiedelt haben könnten.
In der Nähe wurden Reste einer stark verwitterten Feuerstelle entdeckt. Möglicherweise könnte es sich um eine Rennfeuerstelle gehandelt haben, wie sie zur frühen Eisengewinnung genutzt wurde. Ein eindeutiger Nachweis liegt jedoch nicht vor.
Zusätzlich findet sich in Hypothekenbüchern aus dem Jahr 1753 ein Hinweis darauf, dass Johann Christian Helmich „auf’m Mehlborn“ Haus und Land an Johann Wilhelm Schultz für 300 Reichstaler verkaufte.
Die vermutete Kapelle
Da der Quelle Heilkräfte zugeschrieben wurden, erscheint es denkbar, dass eine Kapelle als christliche Weihestätte errichtet worden sein könnte. Hinweise auf eine solche Kapelle sollen sich auch auf älteren Karten finden.
Ein archäologischer Nachweis ihres genauen Standortes steht jedoch bislang aus.
Weitere Besuche und Forschungen
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges besuchte Friedrich-Wilhelm Dörscheln sen. gemeinsam mit seinem Sohn Friedrich-Wilhelm Dörscheln jun. (*7. Februar 1903; †19. Februar 1966) den Ort Dörscheln. Beide wollten sich persönlich davon überzeugen, dass die Quelle auch im Winter nicht zufror.
Friedrich-Wilhelm Dörscheln jun., später Betriebsleiter der Aklaf-Werke in Hamm, beschäftigte sich bereits damals mit Familienforschung, sieheAufzeichnungen unter Aklaf
Auch der Genealoge Otto Lesser aus Lüdenscheid führte vor Ort umfangreiche Untersuchungen durch und arbeitete an einer großen Stammtafel der Familie Dörscheln.
Nach Überlieferungen erhielt er den Auftrag zur Erstellung dieses Stammbaums während der NS-Zeit von einem Fabrikanten Dörscheln aus Lüdenscheid. Nach der Währungsreform von 1948 sollen finanzielle Schwierigkeiten eine vollständige Begleichung der vereinbarten Vergütung verhindert haben.
Die ursprünglichen Unterlagen und die Druckmatrize gelten heute als verschollen. Lediglich sechs Kopien konnte 1960 der Verfasser E.W. Dörscheln vom Katasteramt erwerben und innerhalb der Familie verteilen. Eine Kopie hängt im Flur auf dem Hof Dörscheln, und wurde bestimmt von einigen Familienforschern erstaunt eingesehen.
Neuere Untersuchungen
Auch in jüngerer Zeit wurden die Dörseler Wiesen und das Quellgebiet mehrfach untersucht.
Geologische Untersuchungen führte Dr. Börding von der Westfälische Wilhelms-Universität Münster durch. Weitere Proben wurden von Ernst-Wilhelm Dörscheln, Univ. Oberpräparator i. R., entnommen und ausgewertet
Schlussbetrachtung
Die Geschichte des Mehlborns bewegt sich bis heute zwischen historischer Überlieferung, Familienerinnerung und wissenschaftlich noch ungeklärten Fragen.
Gesichert ist die Existenz einer außergewöhnlichen Quelle, deren Bedeutung für die Menschen der Region über Jahrhunderte hinweg groß war. Ob sich dort tatsächlich eine Kapelle befand, ob der Ort bereits früh besiedelt war oder ob dem Wasser besondere Heilkräfte zugeschrieben werden können, bleibt Gegenstand weiterer Forschungen.
Gerade diese Mischung aus belegbarer Geschichte und lebendiger Überlieferung macht den Mehlborn zu einem besonderen heimatgeschichtlichen Kleinod der Region Kierspe und bewahrt ihn vor dem endgültigen Vergessen.
Quellenbewertung
- Gesicherte Quellen
- Urkunden
- Hypothekenbücher
- Archivunterlagen
- Kartenwerke
- Familienüberlieferungen
- Aussagen von Friedrich-Wilhelm Dörscheln
- Aussagen von anderen Zeitzeugen
- Hypothesen
- Heilkraft der Quelle
- Standort der Kapelle
- frühe Besiedlung
- mögliche Thingstätte
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