Geschichtlicher Überblick
Die Stadt Altena entstand unterhalb der gleichnamigen, im 12. Jahrhundert gebauten Burg, die von einer Seitenlinie der Grafen von Berg errichtet wurde, die sich dann Grafen von Altena und später Grafen von der Mark nannten. Die Namensherkunft der Burg ist bis heute nicht geklärt. Eine Theorie besagt, dass die Benennung auf einen vorgermanischen Flussnamen zurückgeht, wonach der Name vom Fluss und der Landschaft „Altena“ in Brabant stamme. Allerdings könnte der Begriff Altena auch aus dem mittelniederdeutschen Ausdruck „all te na“ gebildet worden sein, weil die Grafen von Arnsberg die Lage der Burg als „all zu nah“ ansahen.
Graf Engelbert III. von der Mark verlieh Altena am 20. Dezember 1367 die Freiheitsrechte. Die Burg Altena war nur noch bis 1392 Stammsitz der Grafen. Sie lebten schon seit 1198 zum größten Teil in einem Hof bei Hamm. Altena war ein Mitglied der Hanse als eine Beistadt, wie zahlreiche andere westfälische Orte. Man hatte kein Mitspracherecht, konnte aber von den Handelsprivilegien profitieren. 1609 fiel das Gebiet an den Kurfürsten von Brandenburg. Ab dem 3. Oktober 1753 bestand der Kreis Altena als einer von vier Landkreisen in der Grafschaft Mark. 1794 bekam Altena den Titel Stadt, ohne jemals die Stadtrechte verliehen bekommen zu haben.
Die Urkunde aus dem Jahr 1616 gehört zu den bedeutendsten Quellen für die Erforschung der frühen Geschichte der Familie Dorselen, aus deren Namen sich im Laufe der folgenden Jahrhunderte die Schreibweisen Dörseln und schließlich Dörscheln entwickelten. Sie dokumentiert nicht nur die Anwesenheit der Familie im Raum Altena, sondern vermittelt zugleich einen seltenen Einblick in ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung während der frühen Neuzeit.
Die Wurzeln des Familiennamens reichen jedoch wesentlich weiter zurück. Bereits zwischen 1360 und 1382 erscheint Florin de Dorslon (Dorselen) als Pleban, später als Propst und Lehnsherr zu Marsberg in den schriftlichen Quellen. Ein weiterer bedeutender Nachweis findet sich 1453 mit Lambertus van Dorsselen in Geyseke. Diese Urkunden belegen, dass der Familienname bereits mehr als zweieinhalb Jahrhunderte vor der Altenaer Urkunde in Westfalen nachweisbar war und über Generationen Bestand hatte.
Vor diesem historischen Hintergrund besitzt die Urkunde von 1616 eine besondere Aussagekraft. Darin wird berichtet, dass Herman Schmidt und die Vormünder seiner unmündigen Kinder ihr Haus mit Hof und Schmiede im Mollendorp zwischen Thonis Frone und Gerdt Trurnicht an Meister Rottger von Dorselen und dessen Ehefrau Annen für sechs Jahre – beginnend mit Ostern 1616 – überließen. Im Gegenzug stellte Meister Rottger ein Darlehen über 100 Taler zur Verfügung. Gleichzeitig wurde ausdrücklich das Recht der Wiederlöse vereinbart, sodass es sich eindeutig nicht um einen Kaufvertrag, sondern um ein besichertes Darlehensgeschäft handelte. Haus, Hof und Schmiede dienten dabei als Sicherheit für das gewährte Kapital.
Von besonderer Bedeutung ist die Ortsbezeichnung „Mollendorp“, die mit dem heutigen Mühlendorf in Altena gleichzusetzen ist. Der Stadtteil erhielt seinen Namen von der gräflichen Kornmühle, die bis zum Jahr 1912 an der Einmündung des Nettebaches in die Lenne stand. Diese Mühle gehörte über Jahrhunderte zu den wichtigsten wirtschaftlichen Einrichtungen der Stadt und prägte den gesamten Ortsteil. Bereits im 16. und 17. Jahrhundert entwickelte sich das Mühlendorf zu einem handwerklich und gewerblich geprägten Bereich Altenas, in dem sich Mühlen, Schmieden und weitere Gewerbebetriebe konzentrierten. Die in der Urkunde erwähnte Schmiede fügt sich somit unmittelbar in das historische Wirtschaftsbild dieses Stadtteils ein.
Ende des 19. Jahrhunderts entstand am Iserlohner Berg die sogenannte Neustadt, die verwaltungsmäßig dem Mühlendorf zugerechnet wurde. Während der Name „Neustadt“ im Laufe des 20. Jahrhunderts weitgehend verschwand, blieb die Bezeichnung Mühlendorf bis heute als historischer Name des Stadtteils erhalten. Dadurch lässt sich der in der Urkunde genannte Ort auch heute noch eindeutig lokalisieren.
Die Höhe des gewährten Darlehens von 100 Talern verdeutlicht den wirtschaftlichen Hintergrund von Meister Rottger von Dorselen. Ein derartiger Betrag entsprach zu Beginn des 17. Jahrhunderts einem erheblichen Vermögenswert. Die Urkunde zeigt daher einen Mann, der über ausreichendes Kapital verfügte, um größere Geldsummen auszuleihen und dabei rechtlich abgesicherte Kreditgeschäfte abzuschließen. Dies spricht für eine angesehene Stellung innerhalb der Altenaer Bürgerschaft und weist darauf hin, dass die Familie Dorselen bereits damals zu den wirtschaftlich leistungsfähigen Familien gehörte.
Bemerkenswert ist darüber hinaus die Verbindung von Hof, Schmiede und Kapitalbesitz. Diese Kombination zeigt, dass die Familie nicht ausschließlich handwerklich tätig war, sondern zugleich über Vermögen verfügte und am regionalen Wirtschaftsleben aktiv teilnahm. Gerade in einer Stadt wie Altena, deren Entwicklung eng mit Eisenverarbeitung, Drahtgewerbe und Handwerk verbunden war, kommt dieser Quelle eine besondere wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung zu.
Für die Familienforschung besitzt die Urkunde einen außerordentlich hohen Quellenwert. Sie schlägt eine Brücke zwischen den mittelalterlichen Namensträgern Florin de Dorslon und Lambertus van Dorsselen sowie den späteren Familienzweigen Dörseln und Dörscheln. Damit dokumentiert sie eindrucksvoll die Kontinuität des Familiennamens über mehrere Jahrhunderte hinweg. Gleichzeitig liefert sie einen seltenen urkundlichen Nachweis über die soziale Stellung eines Familienmitgliedes, dessen wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und seine Einbindung in das Rechts- und Wirtschaftsleben der Grafschaft Mark.
Zusammenfassend stellt die Urkunde von 1616 einen Meilenstein in der Geschichte der Familie Dorselen – Dörseln – Dörscheln dar. Sie verbindet die älteren urkundlichen Nachweise des 14. und 15. Jahrhunderts mit einem konkreten Familienvertreter der frühen Neuzeit und verankert dessen Wirken im historischen Mühlendorf von Altena. Dadurch gewinnt die Quelle nicht nur genealogische, sondern ebenso stadt‑, wirtschafts- und sozialgeschichtliche Bedeutung. Sie gehört zweifellos zu den wichtigsten urkundlichen Zeugnissen für die frühe Geschichte der Familie Dörscheln und stellt einen wesentlichen Baustein für die Rekonstruktion ihrer Entwicklung in Westfalen dar.
Abbildungen

1616
Herman Schmidt und die Vormünder seiner unmündigen Kinder überlassen ihr Haus samt Hof und Schmiede im Mollendorp zwischen Thonis Frone und Gerdt Trurnicht dem M. Rottger von Dorselen und seiner Frau Annen für 6 Jahre, beginnend Ostern 1616 (März 31), zur Nutzung gegen ein Darlehen von 100 Tlr .; die Wiederlöse bleibt vorbehalten.
Märker 1961 — H. 8, S. 25
Gleichzeitige Notiz, Pap. In: Akten A 23, S. 1189.

Karte Mühlendorf ehemals Mollendorp bei Altena
Literatur
- Beiträge
- Dorsloner Nachrichten
- 2026/04 — Die Dorselen Sippe
- Dorsloner Nachrichten
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.