Die beiden vorliegenden Stammübersichten zur Familie Dörseln weisen einen bemerkenswerten genealogischen Befund auf. Sowohl im westfälischen Raum um Rönsahl als auch im sächsischen Schönborn erscheint der seltene Familienname Dörseln nahezu gleichzeitig in den schriftlichen Quellen des späten 16. Jahrhunderts.
Für Schönborn in Sachsen ist bereits Bastian Dörseln im Jahre 1585 nachgewiesen. Es folgen Peter Dörseln (1618), Johannes Dörscheln, Richter zu Schönborn (1659), sowie weitere Angehörige der Familie bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.
Im westfälischen Kirchspiel Rönsahl beginnt die überlieferte Stammreihe mit Johannes zu Dörseln genannt Kleinjohann, geboren um 1590, der als Landschöffe ein angesehenes Amt bekleidete. Ihm folgen mehrere Generationen von Erbsassen und Landwirten auf den Höfen Dörseln, Glietenberg, Auf’n Löh und Dannenberg. Diese Linie lässt sich bis in das 19. Jahrhundert lückenlos verfolgen.
Die zeitliche Nähe der ersten urkundlichen Nennungen ist auffällig. Zwischen dem frühesten bekannten Nachweis in Sachsen (1585) und dem ältesten bekannten Vertreter der westfälischen Stammreihe (1590) liegen lediglich wenige Jahre. Da es sich bei Dörseln um einen außerordentlich seltenen Familiennamen handelt, verdient dieser Befund besondere Beachtung.
Hinzu kommt, dass sich in beiden Regionen eine vergleichbare Entwicklung der Namensschreibung beobachten lässt. Aus der älteren Form Dörseln entstehen im Laufe der Zeit die Schreibweisen Dörschel und schließlich Dörscheln. Solche Veränderungen entsprechen der regionalen Sprachentwicklung und der uneinheitlichen Schreibweise früherer Jahrhunderte. Sie stellen keinen Beweis für unterschiedliche Familien dar, sondern spiegeln vielmehr die historische Entwicklung der deutschen Schriftsprache wider.
Nach dem heutigen Forschungsstand lässt sich jedoch keine direkte verwandtschaftliche Verbindung zwischen der westfälischen und der sächsischen Linie urkundlich nachweisen. Ebenso wenig kann eine solche Verbindung ausgeschlossen werden. Die vorhandenen Quellen erlauben lediglich die Feststellung, dass zwei Linien desselben seltenen Familiennamens nahezu zeitgleich in verschiedenen Regionen Deutschlands auftreten.
Für die weitere Forschung erscheint es daher sinnvoll, die Zeit vor 1585 verstärkt zu untersuchen. Besonders wichtig wären Urkunden des 15. und frühen 16. Jahrhunderts, Steuerlisten, Gerichtsbücher, Lehnsregister, Kirchenbücher sowie Besitz- und Wanderungsnachweise. Erst durch solche Quellen könnte geklärt werden, ob beide Linien auf einen gemeinsamen Ursprung zurückgehen oder ob sich der Familienname unabhängig voneinander in verschiedenen Regionen erhalten hat.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die nahezu gleichzeitige Überlieferung des Namens Dörseln in Westfalen und Sachsen einen bemerkenswerten und forschungswürdigen Sachverhalt darstellt. Aufgrund der Seltenheit des Namens ist ein gemeinsamer Ursprung durchaus denkbar. Ein genealogischer Nachweis kann jedoch erst dann als gesichert gelten, wenn entsprechende zeitgenössische Urkunden eine Verbindung zwischen beiden Linien eindeutig belegen.
Schönborn Sachsen
- Bastian Dörseln
- in Schönborn
- *1585
- Peter Dörseln
- in Schönborn
- *1618
- Johannes Dörscheln
- Richter zu Schönborn
- *1659
- Gottfried Dörschel
- in Schönborn
- *1709
- Hans Dörscheln
- *1714/1716 (Stammbaum)
- Hat laut Urkundehinweis 1733 gelebt
- siehe Abb.
- Christian Dörschel
- in Schönborn
- *1750
- Sächs. Hauptstaatsarchiv Dresden, Ger. Buch. Großenhain Nr. 179, siehe Abb.
- Gottlob Dörschel
- in Schönborn
- *1796
- Staatsarchiv Dresden nr. 28, siehe Abb.
Stammbaum Dörseln Westfalen
- Johannes zu Dörseln gnt. Kleinjohann
- Landschöffe in Rönsahl
- *1590 +1665
- Johannes von Dörseln der Ältere
- Landwirt und Erbsasse
- bei Rönsahl
- *1603 +1673
- Johannes von Dörseln der Jüngere
- Landwirt und Erbsasse
- *1625 +1698
- Heirat
- Gertraud zu Dörseln
- bei Rönsahl
- *1631 +1691
- Johannes von Dörseln zu Glietenberg
- *1655 +1728
- Wilhelm Dörseln
- Landwirt ‚Glietenberg
- *1691 + 1766
- Johann Wilhelm Dörseln
- Landwirt Auf’m Löh
- *1725 +1795
- Johann Christian Dörscheln
- Landwirt zu Löh und Dannenberg
- *1770 +1847
Abbildungen


Exkursion zum Hof Dörschel in Schönborn/Sachsen am 04.09.1990



Sächs. Hauptstaatsarchiv Dresden, Ger. Buch. Großenhain





Literatur
- Weitere Infos von Erhard Loogk Schönborn 1998
- Exkursion zum Hof Dörschel in Schönborn/Sachsen am 04.09.1990
- Martin Dörschel, z. d. Zt. 94 Jahre alt
- Beiträge
- Beiträge zur Familienforschung
- 1994/02 — Spuren an der sächsisch- schlesischen Grenze sowie im Rigischen Raum
- 2002/06 — Der Stammhof Dörscheln in Dörscheln in verschiedenen Ansichten
- Der Landbote
- 2026/04 — Die historische Bedeutung des Hofes Dörscheln bei Rönsahl, von der Urzeit bis in die Gegenwart
- Beiträge zur Familienforschung
- Stammbaum der Familie Dörseln/Dörscheln, Otto Lesser, Lüdenscheid August 1948
- Stammtafeln Dörseln/Dörscheln Westfalen, zusammengestellt von Klaus-Dieter Dörscheln und Thomas Dörscheln, 1987ff.
- Stammbaum der Familie Dörschel/Dörschel (Sachsen), zusammengestellt von Klaus-Dieter Dörscheln und Thomas Dörscheln, November 1991
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