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2026/​16 — Die Geschichte der Fam­i­lie Dörseln und ihre Verbindung zur Fam­i­lie Pat­tberg (von Pad­berg)

Die Geschichte der Fam­i­lie Dörseln, die seit dem 19. Jahrhun­dert über­wiegend unter der Schreib­weise Dörscheln erscheint, reicht weit in das Mit­te­lal­ter des märkischen Sauer­lan­des zurück. Ihre Wurzeln führen zu dem alten Geschlecht de Dorslon, das bere­its im frühen 13. Jahrhun­dert urkundlich nach­weis­bar ist. Über viele Gen­er­a­tio­nen waren die Ange­höri­gen der Fam­i­lie als Land­wirte, Hof­be­sitzer und ange­se­hene Gemein­demit­glieder im Kirch­spiel Rön­sahl und in der Umge­bung von Kier­spe tätig. Der Stamm­baum ver­mit­telt deshalb nicht nur die Abfolge von Eltern und Kindern, son­dern erzählt zugle­ich ein bedeu­ten­des Stück Heimat­geschichte.

Andreas de Dorslon – der älteste bekan­nte Rit­ter der Fam­i­lie

Der älteste bish­er bekan­nte Vertreter des Geschlechts ist Andreas de Dorslon, der zwis­chen 1210 und 1235 mehrfach in west­fälis­chen Urkun­den erscheint. Er wird aus­drück­lich als „miles“, also Rit­ter, beze­ich­net und gehörte damit dem rit­ter­lichen Min­is­te­ri­aladel des Erzs­tifts Köln an.

Von beson­der­er Bedeu­tung ist die Urkunde des Jahres 1217. In ihr überträgt Gottschalk von Pad­berg, der urkundlich bere­its 1165 nach­weis­baren Her­ren von Pad­berg, seine Burg dem Köl­ner Erzbischof Engel­bert als offenes Haus. Unter den Zeu­gen befind­et sich auch Andreas de Dorslon.

Diese gemein­same Nen­nung besitzt für die Region­algeschichte eine beson­dere Aus­sagekraft. Sie beweist zwar keine Blutsver­wandtschaft zwis­chen den Fam­i­lien de Dorslon und von Pad­berg, zeigt jedoch ein­deutig, dass bei­de Geschlechter dem­sel­ben rit­ter­lichen und lehn­srechtlichen Umfeld ange­hörten. Bei­de wirk­ten im Herrschafts­bere­ich des Erzs­tifts Köln und standen im poli­tis­chen Net­zw­erk des süd­west­fälis­chen Adels.

Damit begin­nt bere­its zu Beginn des 13. Jahrhun­derts eine nach­weis­bare Verbindung zweier Geschlechter, deren Nachkom­men viele Jahrhun­derte später durch eine Eheschließung wieder miteinan­der ver­bun­den wur­den.

Die Her­ren von Pad­berg

Die Her­ren von Pad­berg gehören zu den ältesten Adels­geschlechtern West­falens. Ihre urkundlich gesicherte Stamm­rei­he begin­nt mit Gottschalk von Pad­berg, der bere­its 1165 genan­nt wird. Im Laufe des 14. Jahrhun­derts teilte sich das Geschlecht in das Alte Haus Pad­berg und das Neue Haus Pad­berg. Aus diesen Lin­ien gin­gen zahlre­iche Neben­zweige her­vor.

Nach dem heuti­gen Forschungs­stand dürfte auch die Kiersper Lin­ie der Fam­i­lie Pad­berg auf einen solchen Neben­zweig zurück­ge­hen. Ein unmit­tel­bar­er urkundlich­er Abstam­mungsnach­weis fehlt bis­lang zwar, doch sprechen die his­torischen Zusam­men­hänge deut­lich für diese Annahme.

Das Pad­berg-Gut bei Kier­spe

Bere­its 1395 erscheint das Pad­berg-Gut bei Kier­spe als Lehnsgut der Grafen von Lim­burg. Bis 1685 blieb es im Besitz der Kiersper Lin­ie der Fam­i­lie Pad­berg beziehungsweise Pat­tberg. Der heutige Ort­steil Pad­berg der Stadt Kier­spe ver­dankt diesem Gut seinen Namen.

His­torische Quellen nen­nen unter anderem:

  • 1538 Rudolf Pad­berg,
  • 1555 die Neubelehnung des Hofes,
  • 1588 die Einord­nung in die III. Steuerk­lasse.

Diese Nachricht­en bele­gen die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeu­tung des Hofes inner­halb des Kirch­spiels Kier­spe.

Die Fam­i­lie Pat­tberg

Im Laufe der Jahrhun­derte wan­delte sich die Schreib­weise des Namens von Pad­berg in zahlre­ichen Kirchen­büch­ern zu Pat­tberg. Solche Verän­derun­gen waren in der frühen Neuzeit nicht ungewöhn­lich und beruhen meist auf der unter­schiedlichen Schreib­weise der Pfar­rer, Gerichtss­chreiber und Notare. Es han­delt sich daher nicht um ver­schiedene Fam­i­lien, son­dern um unter­schiedliche Schreib­for­men des­sel­ben Namens.

Die Verbindung der Fam­i­lien Dörseln und Pat­tberg

Ein bedeu­ten­der Abschnitt der Fam­i­liengeschichte begin­nt mit Johann Chris­t­ian Dörseln, geboren am 21. Okto­ber 1770, Sohn des

  • Johann Wil­helm Dörseln
    *30. Sep­tem­ber 1725
    †23. Jan­u­ar 1795

und sein­er Ehe­frau

  • Anna Mag­dale­na Catha­ri­na Linde
    *10. Mai 1744
    †3. Mai 1813.

Johann Chris­t­ian bewirtschaftete den Hof zu Löh und Dan­nen­berg.

Am 8. August 1797 heiratete er in der evan­ge­lis­chen Kirche zu Rön­sahl die

  • Anna Catha­ri­na Pat­tberg
    *7. April 1774
    †4. Dezem­ber 1850.

Der Trauein­trag beze­ich­net sie aus­drück­lich als ehe­liche Tochter des

  • Chris­t­ian Hen­rich Pat­tberg
    aus Niedern Heukel­bach.

Damit ist die Verbindung der Fam­i­lien Dörseln und Pat­tberg urkundlich ein­deutig nachgewiesen.

Die Kinder

Aus dieser Ehe gin­gen her­vor:

  • Friedrich Wil­helm Dörscheln
    *3. Novem­ber 1797
    †26. Okto­ber 1855
  • Peter Chris­t­ian Dörseln
    *9. März 1799
    †16. Okto­ber 1864
  • Johannes Dörseln
    *21. Feb­ru­ar 1802
  • Johannes Dörseln
    *25. April 1803
  • Cas­par Wil­helm Dörseln
    *21. Sep­tem­ber 1806
    †27. Juli 1836
  • Maria Catha­ri­na Dörseln
    *9. August 1809
    †27. Dezem­ber 1885,
    ver­heiratet mit Bös­ing­haus
  • Wil­helmine Dörseln,
    *22. Dezem­ber 1812
    †17. August 1882
    ver­heiratet mit Mertens
  • Hen­ri­ette Dörseln
    *11. Juli 1817
    †27. August 1836

Diese Kinder führten die Fam­i­lie Dörseln beziehungsweise Dörscheln in zahlre­iche weit­ere Fam­i­lien­zweige des märkischen Sauer­lan­des.

Die Entwick­lung des Fam­i­li­en­na­mens

Eben­so wie sich bei Pad­berg die Schreib­weise Pat­tberg entwick­elte, änderte sich auch der Fam­i­li­en­name Dörseln im Laufe des 19. Jahrhun­derts zunehmend zu Dörscheln. Ursache waren die unter­schiedlichen Schreibge­wohn­heit­en der jew­eili­gen Pfar­rer und Gerichtss­chreiber. Bei­de Schreib­weisen beze­ich­nen dieselbe Fam­i­lie.

Die älteren mit­te­lal­ter­lichen For­men wie de Dorslon, Dorse­len, Dörseln und schließlich Dörscheln doku­men­tieren die sprach­liche Entwick­lung über nahezu acht Jahrhun­derte.

Schluss­be­tra­ch­tung

Die Geschichte der Fam­i­lien de Dorslon (Dörseln/​Dörscheln) und Pad­berg (Pat­tberg) gehört zu den ältesten nach­weis­baren Fam­i­liengeschicht­en des märkischen Sauer­lan­des.

Bere­its 1217 begeg­nen sich mit Andreas de Dorslon und Gottschalk von Pad­berg zwei Rit­ter des­sel­ben min­is­te­ri­alen Umfeldes in ein­er bedeu­ten­den Urkunde des Erzs­tifts Köln. Diese Quelle beweist keine Ver­wandtschaft, doku­men­tiert jedoch ihre gle­ichzeit­ige Zuge­hörigkeit zum süd­west­fälis­chen Rit­ter­adel.

Fast sechs Jahrhun­derte später wur­den bei­de Geschlechter durch die Eheschließung von Johann Chris­t­ian Dörseln und Anna Catha­ri­na Pat­tberg erneut miteinan­der ver­bun­den. Damit schließt sich ein bemerkenswert­er his­torisch­er Bogen vom mit­te­lal­ter­lichen Rit­ter­stand über die Lehns­güter des märkischen Sauer­lan­des bis zu den Bauern- und Bürg­er­fam­i­lien des 18. und 19. Jahrhun­derts.

Der Stamm­baum der Fam­i­lie Dörseln ist daher weit mehr als eine geneal­o­gis­che Über­sicht. Er bewahrt die Erin­nerung an Men­schen, die über Jahrhun­derte ihre Heimat geprägt haben, und zeigt zugle­ich die enge Ver­flech­tung der alten Fam­i­lien des Kirch­spiels Rön­sahl und der Stadt Kier­spe. Die Geschichte der Fam­i­lien de Dorslon, Dörseln, Dörscheln und Padberg/​Pattberg bildet damit ein wertvolles Kapi­tel der Heimat- und Fam­i­liengeschichte des märkischen Sauer­lan­des.

Lit­er­atur

  • Pad­berg Buch Brilon 1979
  • WUB Nr. 138 von 1217
  • Univ. Ob. Prä­para­tor i. R.

    Autoren­seite

    Impres­sum

    Arbeits­ge­mein­schaft für Fam­i­lien­forschung, Orts- und Lan­deskunde

    Anschrift: E.W. und R. Dörscheln, Paul Klee Weg 121, 48165 Mün­ster

    Redak­tion: Regi­na Dörscheln

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