Die Geschichte der Familie Dörseln, die seit dem 19. Jahrhundert überwiegend unter der Schreibweise Dörscheln erscheint, reicht weit in das Mittelalter des märkischen Sauerlandes zurück. Ihre Wurzeln führen zu dem alten Geschlecht de Dorslon, das bereits im frühen 13. Jahrhundert urkundlich nachweisbar ist. Über viele Generationen waren die Angehörigen der Familie als Landwirte, Hofbesitzer und angesehene Gemeindemitglieder im Kirchspiel Rönsahl und in der Umgebung von Kierspe tätig. Der Stammbaum vermittelt deshalb nicht nur die Abfolge von Eltern und Kindern, sondern erzählt zugleich ein bedeutendes Stück Heimatgeschichte.
Andreas de Dorslon – der älteste bekannte Ritter der Familie
Der älteste bisher bekannte Vertreter des Geschlechts ist Andreas de Dorslon, der zwischen 1210 und 1235 mehrfach in westfälischen Urkunden erscheint. Er wird ausdrücklich als „miles“, also Ritter, bezeichnet und gehörte damit dem ritterlichen Ministerialadel des Erzstifts Köln an.
Von besonderer Bedeutung ist die Urkunde des Jahres 1217. In ihr überträgt Gottschalk von Padberg, der urkundlich bereits 1165 nachweisbaren Herren von Padberg, seine Burg dem Kölner Erzbischof Engelbert als offenes Haus. Unter den Zeugen befindet sich auch Andreas de Dorslon.
Diese gemeinsame Nennung besitzt für die Regionalgeschichte eine besondere Aussagekraft. Sie beweist zwar keine Blutsverwandtschaft zwischen den Familien de Dorslon und von Padberg, zeigt jedoch eindeutig, dass beide Geschlechter demselben ritterlichen und lehnsrechtlichen Umfeld angehörten. Beide wirkten im Herrschaftsbereich des Erzstifts Köln und standen im politischen Netzwerk des südwestfälischen Adels.
Damit beginnt bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts eine nachweisbare Verbindung zweier Geschlechter, deren Nachkommen viele Jahrhunderte später durch eine Eheschließung wieder miteinander verbunden wurden.
Die Herren von Padberg
Die Herren von Padberg gehören zu den ältesten Adelsgeschlechtern Westfalens. Ihre urkundlich gesicherte Stammreihe beginnt mit Gottschalk von Padberg, der bereits 1165 genannt wird. Im Laufe des 14. Jahrhunderts teilte sich das Geschlecht in das Alte Haus Padberg und das Neue Haus Padberg. Aus diesen Linien gingen zahlreiche Nebenzweige hervor.
Nach dem heutigen Forschungsstand dürfte auch die Kiersper Linie der Familie Padberg auf einen solchen Nebenzweig zurückgehen. Ein unmittelbarer urkundlicher Abstammungsnachweis fehlt bislang zwar, doch sprechen die historischen Zusammenhänge deutlich für diese Annahme.
Das Padberg-Gut bei Kierspe
Bereits 1395 erscheint das Padberg-Gut bei Kierspe als Lehnsgut der Grafen von Limburg. Bis 1685 blieb es im Besitz der Kiersper Linie der Familie Padberg beziehungsweise Pattberg. Der heutige Ortsteil Padberg der Stadt Kierspe verdankt diesem Gut seinen Namen.
Historische Quellen nennen unter anderem:
- 1538 Rudolf Padberg,
- 1555 die Neubelehnung des Hofes,
- 1588 die Einordnung in die III. Steuerklasse.
Diese Nachrichten belegen die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung des Hofes innerhalb des Kirchspiels Kierspe.
Die Familie Pattberg
Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich die Schreibweise des Namens von Padberg in zahlreichen Kirchenbüchern zu Pattberg. Solche Veränderungen waren in der frühen Neuzeit nicht ungewöhnlich und beruhen meist auf der unterschiedlichen Schreibweise der Pfarrer, Gerichtsschreiber und Notare. Es handelt sich daher nicht um verschiedene Familien, sondern um unterschiedliche Schreibformen desselben Namens.
Die Verbindung der Familien Dörseln und Pattberg
Ein bedeutender Abschnitt der Familiengeschichte beginnt mit Johann Christian Dörseln, geboren am 21. Oktober 1770, Sohn des
- Johann Wilhelm Dörseln
*30. September 1725
†23. Januar 1795
und seiner Ehefrau
- Anna Magdalena Catharina Linde
*10. Mai 1744
†3. Mai 1813.
Johann Christian bewirtschaftete den Hof zu Löh und Dannenberg.
Am 8. August 1797 heiratete er in der evangelischen Kirche zu Rönsahl die
- Anna Catharina Pattberg
*7. April 1774
†4. Dezember 1850.
Der Traueintrag bezeichnet sie ausdrücklich als eheliche Tochter des
- Christian Henrich Pattberg
aus Niedern Heukelbach.
Damit ist die Verbindung der Familien Dörseln und Pattberg urkundlich eindeutig nachgewiesen.
Die Kinder
Aus dieser Ehe gingen hervor:
- Friedrich Wilhelm Dörscheln
*3. November 1797
†26. Oktober 1855 - Peter Christian Dörseln
*9. März 1799
†16. Oktober 1864 - Johannes Dörseln
*21. Februar 1802 - Johannes Dörseln
*25. April 1803 - Caspar Wilhelm Dörseln
*21. September 1806
†27. Juli 1836 - Maria Catharina Dörseln
*9. August 1809
†27. Dezember 1885,
verheiratet mit Bösinghaus - Wilhelmine Dörseln,
*22. Dezember 1812
†17. August 1882
verheiratet mit Mertens - Henriette Dörseln
*11. Juli 1817
†27. August 1836
Diese Kinder führten die Familie Dörseln beziehungsweise Dörscheln in zahlreiche weitere Familienzweige des märkischen Sauerlandes.
Die Entwicklung des Familiennamens
Ebenso wie sich bei Padberg die Schreibweise Pattberg entwickelte, änderte sich auch der Familienname Dörseln im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend zu Dörscheln. Ursache waren die unterschiedlichen Schreibgewohnheiten der jeweiligen Pfarrer und Gerichtsschreiber. Beide Schreibweisen bezeichnen dieselbe Familie.
Die älteren mittelalterlichen Formen wie de Dorslon, Dorselen, Dörseln und schließlich Dörscheln dokumentieren die sprachliche Entwicklung über nahezu acht Jahrhunderte.
Schlussbetrachtung
Die Geschichte der Familien de Dorslon (Dörseln/Dörscheln) und Padberg (Pattberg) gehört zu den ältesten nachweisbaren Familiengeschichten des märkischen Sauerlandes.
Bereits 1217 begegnen sich mit Andreas de Dorslon und Gottschalk von Padberg zwei Ritter desselben ministerialen Umfeldes in einer bedeutenden Urkunde des Erzstifts Köln. Diese Quelle beweist keine Verwandtschaft, dokumentiert jedoch ihre gleichzeitige Zugehörigkeit zum südwestfälischen Ritteradel.
Fast sechs Jahrhunderte später wurden beide Geschlechter durch die Eheschließung von Johann Christian Dörseln und Anna Catharina Pattberg erneut miteinander verbunden. Damit schließt sich ein bemerkenswerter historischer Bogen vom mittelalterlichen Ritterstand über die Lehnsgüter des märkischen Sauerlandes bis zu den Bauern- und Bürgerfamilien des 18. und 19. Jahrhunderts.
Der Stammbaum der Familie Dörseln ist daher weit mehr als eine genealogische Übersicht. Er bewahrt die Erinnerung an Menschen, die über Jahrhunderte ihre Heimat geprägt haben, und zeigt zugleich die enge Verflechtung der alten Familien des Kirchspiels Rönsahl und der Stadt Kierspe. Die Geschichte der Familien de Dorslon, Dörseln, Dörscheln und Padberg/Pattberg bildet damit ein wertvolles Kapitel der Heimat- und Familiengeschichte des märkischen Sauerlandes.
Literatur
- Padberg Buch Brilon 1979
- WUB Nr. 138 von 1217