Thorneslare – Thornslar – Dorslar – Dorsfeld – Dorslair – Dorslaer – Dorsule – Dorsulen – Dorsul – Dorsel – Doorslaer – Doorselaer
Die vorliegende Zusammenstellung stellt nicht lediglich eine Abfolge verschiedener Schreibweisen dar. Sie versucht vielmehr, die Entwicklung eines historischen Namens- und Ortsraumes über viele Jahrhunderte hinweg anhand überlieferter Urkunden, Personenbezeichnungen, Besitzangaben und Literaturhinweise nachzuzeichnen. Dabei ist zwischen gesicherter urkundlicher Überlieferung, wahrscheinlichen Zusammenhängen und noch nicht nachgewiesenen genealogischen Verbindungen sorgfältig zu unterscheiden.

1. Der frühe Ausgangspunkt: Thorneslare
Am Anfang der vorliegenden Untersuchung steht Thorneslare, das für die Zeit um 600 angesetzt und mit dem späteren Raum Dorsfeld bei Blatzheim in Verbindung gebracht wird. Eine ältere Überlieferung berichtet von einer Schenkung, die mit Erzbischof Kunibert von Köln verbunden wird. Dabei werden unter anderem die Orte Bladisheim, Geilinrode und Thorneslare genannt.
Für die genealogische Betrachtung ist dieser frühe Abschnitt mit besonderer Vorsicht zu behandeln. Er gehört zunächst in den Bereich der Orts- und Überlieferungsgeschichte. Eine direkte Abstammungslinie zu später genannten Personen lässt sich daraus allein nicht ableiten. Dennoch ist der frühe Ortsname für die Untersuchung von großer Bedeutung, weil er einen möglichen Ausgangspunkt der späteren Namensentwicklung bildet.
2. Der Eifeler Zweig: Dorsule – Dorsulen – Dorsul – Dorsel
Eine besonders wichtige Ergänzung der bisherigen Untersuchung ergibt sich aus den Überlieferungen zu Dorsule und Dorsulen im Eifelraum. Nach der vorliegenden Darstellung finden sich die ersten sicheren urkundlichen Belege für Mitglieder der adeligen Familie beziehungsweise des Adelsgeschlechts von Dorsule und Dorsulen in den Jahren 1133 und 1154.
In der Urkunde von 1133 wird Heinricus als Zeuge genannt. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich noch im Gefolge Walrams II. von Limburg, Herzog von Lothringen.
In der Urkunde von 1154 tritt wiederum ein entsprechender Zeuge im Zusammenhang mit Graf Dietrich von Are auf.
Besonders bemerkenswert ist die Überlieferung zu Heinricus de Dorsulen. Danach soll er bereits um 1149 in den Diensten des Dietrich von Are gestanden und von ihm belehnt worden sein. Auf dieser Grundlage wird in der vorliegenden Überlieferung die Entstehung der Ansiedlung „villa Dorsul“ erklärt. Heinricus de Dorsulen soll als freier Mann (liber homo) die Ansiedlung beziehungsweise das Landgut Dorsul gegründet haben. Aus dieser Ansiedlung habe sich schließlich das heutige Dorsel in der Eifel entwickelt.
Damit tritt neben die bisherige Namensreihe eine weitere, für die Untersuchung besonders wichtige Folge:
- Dorsule → Dorsulen → Dorsul → Dorsel
Diese Überlieferung ist für die weitere Erforschung des Namens Dorsel von erheblicher Bedeutung. Denn während „Dorsel“ im bisherigen Bericht nicht als eigenständige mittelalterliche Schreibform genannt wurde, erscheint hier ausdrücklich die Verbindung zwischen Dorsul und dem heutigen Dorsel im Eifelraum.
Der Eifeler Zweig sollte deshalb in der farbigen Tafel ausdrücklich erhalten bleiben:
- Dorsul – Dorsel, Eifel
Dabei ist jedoch wissenschaftlich zwischen der Orts- und Namensentwicklung und einer genealogischen Abstammung zu unterscheiden. Aus der Namensähnlichkeit allein kann noch nicht bewiesen werden, dass die Träger der Eifeler Linie unmittelbar von den späteren oder früheren Dorslar-Familien abstammen.
3. Der entscheidende urkundliche Beleg von 1117
Eine wesentlich festere Grundlage für den anderen bisher untersuchten Namenszweig bildet der Eintrag vom 24. April 1117. Hier erscheint:
- Thitmarus de Thornslar
Er wird als erzbischöflicher Ministerialer bezeichnet. Als Nachweis wird unter anderem REK II, Nr. 135 genannt. Mit diesem Eintrag beginnt eine deutlich besser dokumentierte historische Reihe. Zum ersten Mal steht eine konkrete Person mit Personennamen, Ortsbezeichnung, Datum und sozialer Stellung im Mittelpunkt. Für die Ahnentafel ist dies daher ein wichtiger Fixpunkt.
4. Die Namensform von 1133
Besonders bemerkenswert ist der nächste Beleg:
- 4. Juni 1133 – Thitmarus de Dorslar
Auch diese Person wird als erzbischöflicher Ministerialer bezeichnet; als Nachweis wird REK II, Nr. 298 angeführt.
Damit stehen zwei zeitlich nahe Belege nebeneinander:
- 1117 – Thitmarus de Thornslar
- 1133 – Thitmarus de Dorslar
Die Veränderung von Thornslar zu Dorslar ist für die historische Namensforschung außerordentlich interessant. Sie zeigt zugleich, dass bei der Suche nach weiteren Belegen nicht nur eine einzige Schreibweise verwendet werden darf. Mittelalterliche Orts- und Herkunftsnamen konnten je nach Urkundenschreiber, Sprache, Dialekt und Überlieferung erheblich voneinander abweichen. Ob beide Einträge tatsächlich dieselbe Person betreffen, muss allerdings anhand weiterer Urkunden geprüft werden. Die zeitliche Nähe macht einen Zusammenhang interessant, ersetzt aber noch nicht den eindeutigen Identitätsnachweis.
5. Der neue Beleg von 1140
Eine wichtige Ergänzung der bisherigen Zusammenstellung ist:
- 1140 – Willehalm de Durslatingen
Er wird als Salzburger Ministerialer und klösterlicher Delegator bezeichnet. Als Quelle wird Monumenta Boica Secundum, Bd. 2, S. 313 angegeben.
Die Form Durslatingen erweitert die bisher bekannte Namensreihe erheblich. Gerade hier ist die vorsichtige Darstellung wichtig. Willehalm wird nicht ohne weiteres in die direkte Ahnenlinie eingereiht, sondern als möglicher Seitenzweig beziehungsweise Vergleichsbeleg dargestellt.
Eine unmittelbare Abstammung von Thitmarus de Dorslar ist aufgrund des vorliegenden Belegs nicht nachgewiesen.
6. Die weitere Entwicklung im 13. Jahrhundert
Im 13. Jahrhundert verdichtet sich die Überlieferung.
Um 1200 erscheint Ditmar von Dorneslar zusammen mit Gertrudis, seiner Tochter Sophia und seinem Schwiegersohn Ulrich. Dieser Eintrag ist besonders interessant, weil er über eine reine Namensnennung hinausgeht und eine konkrete Familienkonstellation erkennen lässt.
Weitere Belege führen zu:
- 1264 – Dytmaro de Dorslare
und
- 1303 – Emmerich von Dursfeld
Mit Emmerich von Dursfeld tritt zusätzlich die Besitz- und Ortsbezeichnung Dursfeld hervor. Damit wird deutlich, dass sich die Untersuchung nicht mehr allein auf Personennamen beschränkt. Es entsteht vielmehr ein Zusammenspiel von Person, Herkunftsbezeichnung, Ortsname und Besitzbezeichnung.
7. Die zahlreichen Schreibformen im 14. Jahrhundert
Besonders eindrucksvoll ist die Häufung verschiedener Formen im 14. Jahrhundert:
- 1321 – Ludgardis de Dorslor, Nonne im Kloster Walberberg
- 1333 – Jutta von Dorsfeld/Dorslayr
- 1334 – Gobelinus de Dorislair
- 1341 – Gobel von Dorslair
- 1347 – Arnold gen. Unbescheiden von Dorslar
Diese Reihe zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich ein und derselbe historische Namensraum in mittelalterlichen Quellen erscheinen konnte.
Die Formen
- Dorslor
- Dorsfeld
- Dorslayr
- Dorislair
- Dorslair
- Dorslar
dürfen deshalb nicht ohne weiteres als voneinander unabhängige Namen betrachtet werden. Gleichzeitig wäre es wissenschaftlich nicht richtig, jede dieser Formen automatisch einer einzigen Familie oder einer lückenlosen Abstammungslinie zuzuordnen.
8. Die wichtigen Belege von 1349 und 1350
Von besonderer Bedeutung sind die beiden Einträge:
- 1349 – Arnold Gobelini de Dorslair, clericus
und
- 1350 – Arnoldi Gobelini de Doyrsloir, clerico
Diese Belege stellen eine interessante Ergänzung der bisherigen Forschung dar.
Besonders auffällig ist, dass innerhalb nur eines Jahres unterschiedliche Formen erscheinen:
- Dorslair
- Doyrsloir
Gleichzeitig bleibt die Namensfolge Arnold Gobelini beziehungsweise Arnoldi Gobelini erhalten. Dadurch entsteht die Möglichkeit, dass beide Einträge dieselbe Person betreffen könnten. Ein endgültiger Identitätsnachweis ist mit den vorliegenden Angaben jedoch noch nicht erbracht. Die Verbindung sollte deshalb in der Tafel als möglicher Identitätszusammenhang und nicht als endgültig bewiesene Tatsache dargestellt werden. Die Hinweise aus dem Vatikanischen Archiv verleihen diesen Einträgen zusätzliches Gewicht.
9. Die Verbindung zum Raum Blatzheim
Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung liegt im Raum Blatzheim. Die verschiedenen Unterlagen verbinden die Bezeichnungen Dorsfeld, Dorseler und verwandte Formen mit dem historischen Gerichts- und Siedlungsraum Blatzheim. Besonders interessant ist der Beleg von 1404, bei dem Godert van den Dorslar und das Gut Dorseler im Gericht Blatzheim genannt werden.
Damit zeichnet sich über mehrere Jahrhunderte eine bemerkenswerte Ortskontinuität ab:
Thorneslare → Dorslar → Dorsfeld → Dorseler
Diese Entwicklung ist für die historische Forschung von großer Bedeutung. Sie bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sämtliche Träger des Namens biologisch derselben Familie angehörten. Ein Herkunftsname konnte über längere Zeit von verschiedenen Personen beziehungsweise Familien übernommen werden, die mit demselben Ort oder Besitz verbunden waren.
10. Die Bedeutung der Form Dorsel
Durch die Eifeler Überlieferung erhält die Namensform Dorsel innerhalb der Gesamtuntersuchung eine besondere Stellung.
Während die mittelalterlichen Belege im Raum Blatzheim unter anderem Dorslar, Dorslare, Dorslor, Dorslair und Dorseler zeigen, tritt im Eifelraum die Folge
Dorsule → Dorsulen → Dorsul → Dorsel
hinzu.
Damit bestehen zwei interessante historische Namensbereiche:
- Blatzheimer Namensraum:
- Thorneslare → Thornslar → Dorslar → Dorslare → Dorslor → Dorslair → Dorseler
- Eifeler Namensraum:
- Dorsule → Dorsulen → Dorsul → Dorsel
Beide Reihen weisen auffällige lautliche und schriftliche Gemeinsamkeiten auf. Eine gemeinsame Herkunft kann deshalb als Forschungsfrage festgehalten werden. Ein unmittelbarer genealogischer Zusammenhang ist jedoch anhand der bisher vorliegenden Angaben noch nicht bewiesen.
11. Die Entwicklung in der Neuzeit
Die Untersuchung beschränkt sich nicht auf das Mittelalter.
Später erscheinen unter anderem:
- 1697 – Willem van Doreslaer
- 1760 – Henriette Marie van Doreslaer
- 1845 – Edouard-Jean-Antoine Doorslaer de ten Ryen
- 1993 – Dr. Marcel K. van Doorselaer
Damit wird deutlich, dass verwandte Namensformen auch in der Neuzeit weitergeführt wurden.
Besonders auffällig sind dabei die Formen
- Doreslaer
- Dorslaer
- Doorslaer
- Doorselaer
Die Untersuchung erweitert sich dadurch räumlich über den ursprünglichen deutschen Raum hinaus in den niederländisch-belgischen Sprachraum. Auch die genannte Ortschaft Doorselaar im Raum zwischen Gent und Antwerpen ist in diesem Zusammenhang von Interesse. Hier sollte allerdings ebenfalls zwischen einer Namensähnlichkeit beziehungsweise historischen Namenskontinuität und einem konkreten genealogischen Nachweis unterschieden werden.
12. Die Bedeutung des Quellenverzeichnisses
Eine besondere Stärke der Zusammenstellung ist die umfangreiche Dokumentation der Quellen.
Genannt werden unter anderem:
- REK – Regesten der Erzbischöfe von Köln
- Lac. Archiv
- Lac. UB
- Mittelrheinisches Urkundenbuch
- Düsseldorfer Jahrbücher
- Monumenta Boica
- Urkunden und Regesten des Vatikanischen Archivs
- weitere familien- und regionalgeschichtliche Veröffentlichungen
Besonders wertvoll sind die aufgenommenen Belege:
- 1140 – Monumenta Boica
sowie
- 1349 und 1350 – Vatikanisches Archiv beziehungsweise zugehörige Regestenüberlieferung.
Für den neu ergänzten Eifeler Zweig müssen die zugrunde liegenden Urkunden von 1133 und 1154 sowie die Überlieferung zu Heinricus de Dorsulen und villa Dorsul ebenfalls als eigene Quellen geprüft und möglichst mit genauer Urkundennummer dokumentiert werden.
13. Bedeutung für eine Ahnentafel
13.1. Historisch belegte Personen
Personen, die mit Datum und Quelle urkundlich nachgewiesen sind.
13.2. Historische Namensformen
Thornslar, Dorslar, Dornslar, Dorslare, Dorslor, Dorslair, Doyrsloir, Dorsfeld, Dorseler, Doreslaer, Dorslaer, Dorsule, Dorsulen, Dorsul und Dorsel.
13.3. Orts- und Besitzbezeichnungen
Bezeichnungen, die möglicherweise auf historische Namensräume zurückgehen.
13.4. Der Eifeler Zweig
Dorsule – Dorsulen – Dorsul – Dorsel
mit der Überlieferung zu Heinricus de Dorsulen und der Ansiedlung villa Dorsul.
13.5. Mögliche Seitenzweige
Personen wie Willehalm de Durslatingen, bei denen eine Verbindung interessant erscheint, aber noch nicht ausreichend bewiesen ist.
13.6. Gesicherte und ungesicherte genealogische Verbindungen
Gerade diese Unterscheidung ist für eine wissenschaftlich verantwortbare Darstellung entscheidend.
14. Gesamtbetrachtung
Insgesamt entsteht ein außergewöhnlich interessantes Bild einer möglichen Entwicklung verschiedener historischer Namensräume über viele Jahrhunderte:
Thorneslare
↓
Thitmarus de Thornslar – 1117
↓
Thitmarus de Dorslar – 1133
↓
Willehalm de Durslatingen – 1140 – möglicher Seitenzweig
Parallel dazu:
Dorsule – Dorsulen
↓
Heinricus de Dorsulen – 1133/1154
↓
villa Dorsul
↓
Dorsel – Eifel
und im anderen Namenszweig:
Dornslar /Dorslar /Dorslare
↓
Dursfeld /Dorsfeld
↓
Dorslor /Dorslair /Doyrsloir
↓
Dorseler /Doreslaer /Dorslaer
↓
Doorslaer /Doorselaer
Die besondere Bedeutung dieser Zusammenstellung liegt darin, dass hier Ortsgeschichte, Namensgeschichte, Besitzgeschichte und Familiengeschichte miteinander verbunden werden.
Die neu aufgenommene Eifeler Reihe Dorsule – Dorsulen – Dorsul – Dorsel erweitert dieses Bild wesentlich. Sie erklärt zugleich, weshalb die Namensform Dorsel in der weiteren Forschung nicht übergangen werden sollte.
Schlussfolgerung
So entsteht eine über viele Jahrhunderte reichende Untersuchung des historischen Namensraumes Thorneslare – Dorslar – Dorsfeld – Dorseler – Dorsule – Dorsulen – Dorsul – Dorsel – Doorslaer – Doorselaer.
Besonders wichtig ist dabei die Feststellung, dass Dorsel in der Eifel nicht lediglich eine moderne Namensähnlichkeit darstellt, sondern in der vorliegenden Überlieferung mit der historischen Form Dorsul und der Person Heinricus de Dorsulen verbunden wird.
Für die weitere genealogische Forschung ergibt sich deshalb ein klarer Arbeitsauftrag: Die Urkunden von 1133 und 1154, die Belege zu Heinricus de Dorsulen, die Überlieferung der villa Dorsul sowie die entsprechenden Belege zu Thitmarus de Thornslar und Thitmarus de Dorslar sollten im Original beziehungsweise in den maßgeblichen Urkundeneditionen miteinander verglichen werden.
Erst eine solche Quellenprüfung kann entscheiden, ob zwischen den verschiedenen Dors-Namensräumen lediglich eine ähnliche Namensbildung oder darüber hinaus eine historische beziehungsweise genealogische Verbindung besteht.
Literatur
- Beiträge
- Beiträge zur Familienforschung
- 1998 Bd.1 NF Heft 2 Frauen in der mittelalterlichen Geschichte oder Investigatio Historiae Feminarum
- 1999/01 Bd.1 NF Dorsel in den Rheinischen Annalen
- 2001/12 — Das Wappen
- 2003/01 — Burg Dorsul
- 2003 Bd.1 H.1 Der Eifeler Landbote, Burg Dorsul
- 2003 Bd.1 H.13 Fossilien und Scherben in der Eifel
- 2004/01 — Urkundlich erwähnte Personen aus Dorslon ehem. Thurisloun und deren weiteren Wirkungsbereich
- Beiträge zur Familienforschung
Wappen

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